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Keine Lust auf Schule!? Fazit

Sie kamen nicht nur aus der ganzen Region - zum Beispiel aus Leer, Vechta, Brake, Delmenhorst und Oldenburg, auch weitere Entfernungen, unter anderen von Osnabrück, Stade und Braunschweig, wurden zurückgelegt, um an der Tagung „Keine Lust auf Schule!“ im Alten Landtag in Oldenburg am Donnerstag, den 29. Oktober teilnehmen zu können. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psycho¬therapie (KJPP-Klinik) des Klini¬kums Olden¬burg, die Carl-von-Ossietzky Universität und das Jugendamt der Stadt Oldenburg haben sich zusam¬mengetan, um bei dieser Fach¬tagung zum Thema Schul¬ver¬weigerung zu informieren, aber auch zu diskutieren und erste Handlungsansätze in der Stadt Oldenburg aufzuzeigen. Über 150 Teilnehmer – vom Lehrer, über Elternvertreter und Jugendamtsmitarbeiter bis hin zu Psychologen und Klinikärzten - nahmen die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch wahr.

Oldenburg, den 29. Oktober 2009. Geschätzte 500.000 Kinder und Jugendliche weigern sich jährlich in Deutschland zur Schule zu gehen – steigende Tendenz. Die Grenze zwischen „harmlosem“ Schwänzen und Verweigerung ist dabei fließend – die Gründe vielfältig. Auf die Frage, warum sich die drei Institutionen entschlossen haben, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, antwortet Frau Dr.-medic (RO) Agneta Paul, Direktorin der KJPP-Klinik): „Egal ob Schulschwänzen, Schulangst oder Schulphobie – wichtig ist, dass den betroffenen jungen Menschen rechtzeitig geholfen wird, damit sie wieder in den Schulalltag zurückfinden. Dazu muss erst einmal bekannt sein, wer was wann tun kann und muss. Die Tagung soll dazu beitragen, dass die Information über Schulverweigerung, aber auch die Handlungsansätze bekannt werden.“ Frank Lammerding, Leiter des Jugendamtes ergänzt: „Es reicht nicht, Verfahren gegen notorische Schulverweigerer einzuleiten, wenn wir nicht gleichzeitig Lehrer und Eltern Möglichkeiten an die Hand geben, mit uns als Jugendamt oder mit Ärzten und Psychologen zu kooperieren. Die Bereitschaft der Eltern, sich mit der Schule und dem, was ihre Kinder dort machen, auseinanderzusetzen, ist in den letzten Jahren gesunken. Viele Eltern wissen gar nicht, dass ihre Kinder ständig schwänzen. Mit solch einer Veranstaltung wollen wir auch die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren.“ Prof. Manfred Wittrock von der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg erklärt: „Die Universität Oldenburg forscht bereits seit zehn Jahren an diesem Thema. Wir sind zum Beispiel Initiatoren des bundesweiten wissenschaftlichen Arbeitskreises „Schulab¬sen¬tismus-Schulaversion“. Durch diese Tagung wollen wir die kooperativen Beziehungen zwischen der Universität, der Klinik und dem Jugendamt deutlich machen. Die wissenschaftliche Begleitung des Themas ist wichtig, um die Erkenntnisse mit Zahlen, Daten und Fakten zu untermauern und Projekte und Verfahren auf ihre Tauglichkeit in der Praxis zu überprüfen.“



Einige Begriffserklärungen:

Schulverweigerung (= Fachbegriff: Schulabsentismus):

Unter dem Begriff „Schulabsentismus“ versteht man das „gewohnheitsmäßige Fernbleiben der Schule“. Die Gründe dafür sind vielfältig und die Übergänge fließend. Bei der Einschätzung im Einzelfall ist es wichtig, vor allem den Ursachen auf den Grund zu gehen, um richtig reagieren zu können. Unter anderem muss unterschieden werden zwischen Schulschwänzen aus Schulmüdigkeit oder Schulunlust, krankheitsbedingten Schulversäumnissen, Schulangst und Schulphobie.



Schulschwänzen

Vor allem Ältere zwischen 14 und 15 Jahren schwänzen die Schule zum Beispiel aus Langeweile, wobei Jugendliche meist mit anderen gemeinsam schwänzen. Neben gelegentlichen Grenzüberschreitungen, die in der Pubertät auftreten können, kann der Grund für das Schulschwänzen aber auch in der Missachtung sozialer Verpflichtungen, gepaart mit der Unfähigkeit aus Erfahrungen zu lernen, liegen. Auch wenn keine ernsthafte körperliche bzw. psychische Erkrankung dahinter steckt, muss eingegriffen werden, da Schwänzen eine Leistungsverschlechterung zur Folge hat, die im negativsten Fall zum Versäumen eines Bildungsabschlusses führt und somit weitgehende Auswirkungen auf die Zukunft des Einzelnen hat. Hier ist ein Eingreifen durch Eltern, Schulen bzw. im Wiederholungsfall der Jugendämter notwendig.



Schulangst

Die Schulangst ist eine Form der Schulverweigerung, deren Gründe im Umfeld der Schule liegen. Mobbing durch Mitschüler, aber auch Lehrkräfte, Überforderung oder Unterforderung und Leistungsdruck im Allgemeinen können zur Schulangst führen. Sie kann mit einer psychischen Erkrankung einhergehen. Liegt der Verdacht einer Schulangst vor, dann reicht es nicht mehr nur, dafür zu sorgen, dass das Kind zur Schule geht, sondern dass die Ursachen vor Ort geklärt bzw. gelöst werden und das Kind psychologisch betreut wird.



Schulphobie

Die Schulphobie trifft meistens jüngere Kinder und ist ursächlich auf eine Trennungsangst der Kinder von ihren Eltern zurückzuführen. Oft werden diese Kinder wegen körperlicher Beschwerden krank geschrieben, fehlen also entschuldigt. Die Schulphobie bzw. vorliegende Depressionen und psychische Störungen werden als solche oft nicht erkannt. Auch hier muss eine Betreuung durch Ärzte bzw. Psychologen erfolgen.



Schulpflicht

Als Schulpflicht bezeichnet man die gesetzliche Verpflichtung für Kinder ab einem bestimmten Alter, für Jugendliche und Heranwachsende bis zu einem bestimmten Alter, eine Schule zu besuchen. Diese muss im Fall der Minderjährigkeit der Schulpflichtigen durch die Erziehungsberechtigten (meist die Eltern) umgesetzt werden.

In Deutschland ist die Schulpflicht nicht im Grundgesetz (GG) oder einem anderen Bundesgesetz geregelt, sondern – aufgrund der Kulturhoheit der Länder – in den einzelnen Landesverfassungen. Die Länder sind hierzu durch das Grundgesetz ermächtigt. In Niedersachsen ist die Schulpflicht im Niedersächsischen Schulgesetz (NSchG) §§ 63-71 festgeschrieben.



Kontakt:

Barbara Delvalle,

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,

Klinikum Oldenburg

Tel. 0441/403-2227,

Email: delvalle.barbara@klinikum-oldenburg.de

Ihr Ansprechpartner:
Barbara Delvalle, eMail delvalle.barbara@klinikum-oldenburg.de
 

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