Oft entscheiden Minuten über die weitere Lebensqualität eines Neugeborenen. Diese Erkenntnis führte vor zehn Jahren zur Einrichtung einer Neugeborenen-Intensivstation in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kreißsaal. Seitdem haben ca. 3500 Kinder von dieser Einrichtung profitiert. Sicherlich ein Grund, zufrieden zu sein und dieses Jubiläum zu feiern. Feiern allein genügt aber nicht und deshalb ist die Feier eingebettet in einen großen Fachkongress. Er findet vom 10. - 12. November 2005 statt und zeigt neueste Erkenntnisse in der Neonatologie auf.
Oldenburg, den 14. October 2005.
Ca. sieben Prozent der in Deutschland geborenen Kinder kommen zu früh auf die Welt – manche bereits 16 Wochen vor dem errechneten Termin. Diese Kinder sind nicht nur zu leicht und zu klein. Auch die Verdauungs- und Atmungssysteme der Frühgeborenen sind noch zu unreif, um selbständig zu arbeiten. Auf der Neointensivstation werden lebenswichtige Funktionen zunächst von Geräten übernommen, bis sich das Kind soweit entwickelt hat, um selbst diese Aufgaben übernehmen zu können. Dabei liegen die Neugeborenen in speziell dafür entwickelten Betten, die rundum geschlossen sind und in denen eine Temperatur von 32 bis 36 Grad herrscht. Umgangssprachlich sind diese Betten unter dem Begriff „Brutkasten“ bekannt, der Mediziner nennt sie „Inkubator“.
„Heute haben Frühgeborene wesentlich bessere Aussichten ohne wesentliche Beeinträchtigungen zu überleben als noch vor 20 Jahren“, meint Prof. Dr. Jürgen Seidenberg, Direktor im Kinderkrankenhaus des Klinikums Oldenburg und Leiter dieser Station, „damals betrug die Überlebensrate von Kindern, die bei der Geburt zwischen 1000 und 1500 Gramm wogen, 30 bis 50 Prozent. Heute überleben über 90 Prozent.“
Das Kinderkrankenhaus des Klinikums gehört zu den größten Früh- und Neugeborenenzentren in Deutschland. Es entspricht den erst kürzlich gesetzlich verordneten strengen Qualitätsrichtlinien für ein hoch spezialisiertes Früh- und Neugeborenenzentrum (Level 1). Ein Kriterium ist dabei die unmittelbare Nähe der Neugeborenen-Intensivstation zum Kreißsaal der Oldenburger Frauenklinik. In diesem Perinatalzentrum ist damit auch bei unvorhergesehenen Komplikationen das rasche Eingreifen von speziell dazu ausgebildeten Kinderärzten sofort nach Geburt gewährleistet, Risiko behaftete Transporte der Neugeborenen entfallen. Zudem müssen Mutter und Kind nicht voneinander getrennt werden.
Auf der Neointensivstation ist ein eingespieltes Team tätig, das die besonderen Bedürfnisse der kleinen Patienten und ihrer Eltern berücksichtigt. Die meisten auf dieser Station tätigen Ärzte haben eine spezielle Zusatzweiterbildung „Neonatologie“ absolviert. Das Pflegepersonal ist speziell in der Intensivpflege ausgebildet. Seit dem ersten Tag haben die Oberärztin Dr. Eva Cloppenburg, die Leitende Stationsschwester Maike Ennen-Hansing-Eilers und das gesamte Team die Station stetig weiterentwickelt und nach neuesten medizinischen und pflegerischen Erkenntnissen gestaltet. „Der Spagat zwischen hoch technisierten Verfahren, wie zum Beispiel der Hochfrequenzbeatmung, und der zunehmend sanften Pflege ist auf dieser Station extrem schwierig. Meine Mitarbeiter haben die gegensätzlichen Ansprüche immer mit viel Engagement und erfolgreich verwirklicht“, lobt Prof. Seidenberg sein Neointensiv-Team und ergänzt: „Auch die gute Kooperation mit den anderen Krankenhäusern aus der Umgebung hat zum Erfolg unserer Arbeit beigetragen.“ Das leichteste Kind, das auf dieser Station betreut wurde, war nur 360 g schwer.
Das Jubiläum soll nicht nur gefeiert werden. Mit einem Fachkongress am 10.-12. November, bei dem Ärzte, Pflegende und andere Interessierte aus ganz Deutschland erwartet werden, sollen die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Neonatologie präsentiert werden.
„Wir haben ein interessantes Fortbildungsprogramm mit klinikspezifischen Schwerpunkten zusammengestellt“, erzählt Klinikdirektor Prof. Dr. Jürgen Seidenberg und ergänzt: „Alle Berufsgruppen sind angesprochen: Kinderärzte, Gynäkologen, Pflegende, Hebammen, Physiotherapeuten und andere Interessierte.“
Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. Jürgen Seidenberg, eMail seidenberg.juergen@klinikum-oldenburg.de
Bildmaterial zu dieser Pressemitteilung:
Derzeit liegen in diesem Bereich keine aktuellen Termine oder Veranstaltungen vor. Alle Termine im Klinikum anzeigen.