40.000 Neuerkrankungen jährlich Prostatakrebs ist inzwischen das am häufigsten diagnostizierte Karzinom und die zweithäufigste Krebstodesursache beim Mann. Als erste in Norddeutschland profitieren nun Betroffene aus Oldenburg und der umliegenden Region von einer neuen schonenderen Behandlungsmethode. Die Klinik für Urologie und Kinderurologie zusammen mit dem Institut für Radiologie und Nuklearmedizin führt im Klinikum Oldenburg ab sofort die sogenannte Sentinel-Lymphadenektomie ein, die den Patienten ausgedehnte Lymphknotenentfernungen ersparen kann. Zudem gibt dieser Eingriff den Betroffenen auch sichere Auskunft darüber, ob sich bereits Metastasen gebildet haben oder nicht.
Oldenburg, den 6. July 2004.
Im Bereich des schwarzen Hautkrebses und beim Mammakarzinom wird diese Technik zur Ermittlung der sogenannten Wächter-Lymphknoten schon länger eingesetzt. Für das Prostatakarzinom ist die Therapie neu. Dr. Friedhelm Wawroschek, seit 1. Mai Direktor der Urologie und Kinderurologie im Klinikum, hat diese Methode gemeinsam mit den Nuklearmedizinern aus dem Zentralklinikum Augsburg für Prostatakrebs modifiziert und entwickelt. In Augsburg haben wir inzwischen 1000 solcher Eingriffe durchgeführt. Es hat sich gezeigt, dass die Komplikationsrate viel niedriger ist als bei ausgedehnten Lymphknotenentfernungen. Wenn dann noch bei der anschließenden mikroskopischen Untersuchung des Lymphknotengewebes festgestellt werden kann, dass sich keine Metastasen gebildet haben, trägt dies erheblich zur Lebensqualität der Betroffenen bei.
Mit dieser Methode ist es möglich, die sogenannten Wächter-Lymphknoten beim Prostatakrebs zu identifizieren und eventuelle Absiedlungen zu entfernen. Jedes Organ hat einen oder mehrere Wächter-Lymphknoten, über die die Lymphe dieses Organs zum ersten Mal gefiltert wird. Diese Wächter-Lymphknoten geben darüber Auskunft, ob bereits eine Metastasierung des Krebses vorliegt. Die Sentinel-Lymphadenektomie ermöglicht es, aus den circa 50 im kleinen Becken befindlichen Lymphknoten den Wächter-Lymphknoten der Prostata herauszufiltern. Damit muss auch nur dieser Lymphknoten, der als Filter für Tumorzellen gilt, entfernt werden. Bisher übliche ausgedehnte Lymphknotenentfernungen bleiben damit erspart.
Der Leiter des Institutes für Radiologie und Nuklearmedizin Priv.-Doz. Dr. Ajay Chavan und Oberarzt Klaus van Essen-Kügler erklären die Methode: Es wird eine radioaktive Substanz unter Ultraschallkontrolle in lokaler Betäubung in die Prostata gespritzt. Die Strahlendosis ist so gering, dass ein spezieller Schutz für Patienten, Angehörige und
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Personal dabei nicht notwendig ist. Mit der Lymphflüssigkeit fließt diese Substanz zu den Wächter-Lymphknoten und wird dort gefiltert. Mittels einer Sonde kann dann in der Operation die Lage dieser strahlenden Lymphknoten ermittelt werden, die bei jedem Patienten an unterschiedlichen Stellen liegen.
Im Rahmen der Prostatakarzinom-Behandlung ist es von großer Bedeutung, die Wächter-Lymphknoten der Prostata auf mögliche Tumor-Absiedlungen zu untersuchen. Dabei wird es mit dieser neuen Methode leichter, auch kleinste Veränderungen zu erkennen, die mit den üblichen Untersuchungen vor der Operation, zum Beispiel mit der Computertomographie, nicht entdeckt werden. Von Vorteil ist darüber hinaus, dass diese dann auch gleich entfernt werden können. Die Ergebnisse liefern zudem Hinweise für die bestmögliche Weiterbehandlung, denn grundsätzlich stehen mit der Hormontherapie, der Strahlentherapie und der Totaloperation drei Möglichkeiten der Therapie zur Wahl.
Ein weiteres Feld der Zusammenarbeit der Klinik für Urologie und dem Institut für Radiologie eröffnet sich in der schonenderen Behandlung von Nierentumoren. In bestimmten Fällen können diese mit der sogenannten Thermoablation behandelt werden. Hierbei wird durch Mikrowellen eine hohe Hitze im Gewebe erzeugt und so der Tumor zerstört. Diese Verfahren wird in Narkose, aber ohne Operation minimal-invasiv durchgeführt und erlaubt so den Erhalt der Restniere. Eine genaue Bildgebung mittels Computertomographie vor und während des Eingriffs erleichtert die exakte Positionierung der Thermoablationsnadeln.
Ihr Ansprechpartner:
Barbara Delvalle, eMail delvalle.barbara@klinikum-oldenburg.de
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