Vor vier Wochen wurde im Herz-Kreislauf-Zentrum am Klinikum Oldenburg eine neue, in der Weser-Ems-Region erstmalig eingesetzte Behandlungsmethode durchgeführt. „Für bestimmte Patienten mit Herzklappenerkrankungen kommt eine Operation nicht in Frage, weil das Risiko zu groß ist“, weiß Prof. Dr. Albrecht Elsässer, Direktor der Klinik für Kardiologie, „für diese Patienten ist der lebenswichtige Einsatz einer neuen Herzklappe per Herzkatheter die letzte Behandlungsoption.“
Oldenburg, den 15. April 2009.
Die Methode, eine Herzklappe mit Hilfe eines Katheters einzusetzen, erweitert das Behandlungsspektrum des Herzkreislauf-Zentrums am Klinikum Oldenburg und wird von Kardiologen und Kardiochirurgen gemeinsam durchgeführt. Sie ist zum einen für Patienten höheren Alters geeignet und/oder für Patienten, die zusätzlich zur Herzklappenerkrankung mehrere Begleiterkrankungen haben. „Oft sind es Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder Niereninsuffizienz, die das Risiko einer Operation deutlich erhöhen.“, er¬läu¬tert Prof. Elsässer, „In diesen Fällen ist der Herzklappenersatz per Katheter die letzte Behandlungsoption.“ Die Patienten leiden oft unter schwersten Symptomen wie Atemnot bei geringster Belastung, was die Lebensqualität enorm einschränkt. „Die Herzklappenoperation führen wir schon seit Jahren sehr erfolgreich im Klinikum durch“, berichtet Prof. Dr. Otto Dapunt, Direktor der Klinik für Herzchirurgie „aber für sehr alte Menschen oder Patienten mit mehreren anderen Krankheiten ist dies jedoch auch risikoreich. Natürlich müssen wir dies von Fall zu Fall entscheiden. Durch die enge Kooperation im Herzkreislauf-Zentrum können wir die individuell bestmögliche Behandlungsmethode auswählen.“ Und Prof. Elsässer ergänzt: „Die Operation ist und bleibt in den meisten Fällen die sicherere Variante beim Herzklappen-Ersatz. Da die Methode, mittels Katheter die Herzklappen zu ersetzen noch relativ jung ist, können wir derzeit nichts über die Langzeitauswirkungen der so eingesetzten Herzklappen sagen. Das wird uns die Zukunft zeigen. Für die Patienten, bei denen wir diese Behandlungsmethode derzeit anwenden, haben wir allerdings keine Alternative und es ist für sie die einzige Chance wieder ein normales Leben führen zu können.“ Im Klinikum Oldenburg sind bis jetzt drei Patienten mit dieser Methode erfolgreich behandelt worden. Sie sind bereits wieder zuhause. Die Herz¬beschwerden und die Atemnot, die es ihnen bisher unmöglich gemacht haben, am Alltagleben teilzunehmen, schränken sie jetzt nicht mehr ein. Prof. Elsässer rechnet jährlich mit 30 bis 50 Eingriffen dieser Art.
Die Behandlungsmethode
Bevor die neue Herzklappe platziert werden kann, muss die alte, defekte Herzklappe entfernt werden. Ein Ballon wird mit dem Katheter in Richtung Herz geführt und dort aufgeblasen. Damit wird die defekte Herzklappe gesprengt und verbleibt am Rand der Hauptschlagader, wo sie nicht stört.
Die neue Herzklappe besteht aus einem biologischen Herzgewebe, das an einem speziellen Drahtgeflecht fixiert ist und in einem zweiten Schritt an der Spitze des Katheters auf engstem Raum zusammengefaltet wird. Langsam wird die Herzklappe vom Katheter an die richtige Stelle geführt und dort entfaltet. Die Entfaltung der vorher im Kältebad zu¬sam¬men¬¬gepressten Herzklappe kommt durch die Körperwärme zustande. Hier liegt auch ein gro¬ßer Vorteil dieser Methode: Die Herzklappe passt sich den anatomischen Ge¬ge¬ben¬heiten voll an.
Weitere Informationen:
Herzklappen sind Ventile, die dafür sorgen, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann. Herzklappen-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Herzerkrankungen. Die Gründe sind vielfältig: Es gibt angeborene Herzklappen-Fehler. Es können aber auch Defekte an Herzklappen durch Infektionen entstehen. Zudem kann die Herzklappe mit steigendem Alter degenieren.
Ihr Ansprechpartner:
Barbara Delvalle, eMail delvalle.barbara@klinikum-oldenburg.de
Bildmaterial zu dieser Pressemitteilung:
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