„Demenzkranke können sich nicht ändern – wir müssen uns ändern!“ – Mit dieser Aussage sprach Helmut Kropp, dessen Frau seit acht Jahren an Demenz erkrankt ist, vielen pflegenden Angehörigen aus der Seele und bekam bei der Podiumsdiskussion während der 1. Oldenburger Thementage Demenz spontanen Applaus von den Zuhörern. Insgesamt über 1.200 Menschen an den drei Tagen nutzten nicht nur die Chance, sich über die neuesten Erkenntnisse zu informieren, sondern auch sich auszutauschen und hilfreiche Tipps für ihren Pflegealltag – egal ob zuhause oder in einer Pflegeeinrichtung – mitzunehmen. Am Abschlusstag ging es dann um Erarbeiten von Handlungsempfehlungen, die dann in einem Ideenkatalog in Form von Thesenrollen an die Stadt Oldenburg überreicht wurden. Die Oldenburger Thementage Demenz werden eine feste Einrichtung in Oldenburg und sollen alle zwei Jahre stattfinden.
Oldenburg, den 25. October 2007.
In Deutschland sind derzeit 1.000.000 Menschen an Demenz erkrankt. In Niedersachsen liegt die Zahl bei 100.000. Laut der Alzheimer Gesellschaft Oldenburg e.V. gibt es in der Stadt Oldenburg ca. 2100 Demenzkranke - Tendenz steigend. Bundesweit 200.000 Neuerkrankungen kommen jedes Jahr dazu. Diese Zahl auf die Einwohner der Stadt Oldenburg heruntergerechnet, bedeutet ca. 400 Neuerkrankungen in der Stadt.
An der Auftaktveranstaltung, die am Mittwoch, 17. Oktober für Ärzte, Management und Verantwortliche konzipiert war, kamen ca.170 Interessierte. Hier spielte vor allem die Früherkennung und die Differenzierung der Krankheit Demenz eine große Rolle. „Demenz ist nicht heilbar, aber der Krankheitsverlauf kann sich durch eine frühe Diagnose und dann einsetzende Behandlung verlangsamen“, weiß Dr. Gerd Pommer, Vorsitzender der Ärztekammer Oldenburg, der als Moderator an allen drei Tagen aktiv ins Geschehen der 1. Oldenburger Thementage eingriff, „bei bestimmten Formen der Demenz gibt es medikamentöse Möglichkeiten. Es wurde aber auch festgestellt, dass eine verbesserte Betreuung, die auf die Bedürfnisse der Demenzkranken eingeht, den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst. Vor allem müssen wir in den kommenden Jahren die Versorgungsstrukturen vor Ort besser vernetzen und zudem diese in der Gesellschaft oft stigmatisierte Krankheit aus ihrem Schattendasein herausholen. Solche Veranstaltungen tragen dazu bei.“
Das Herzstück der Thementage war die Tagung am Donnerstag, 18. Oktober für pflegende Angehörige und Fachpersonal. Ca. 600 Teilnehmer besuchten über den ganzen Tag von 8.30 Uhr bis 17 Uhr Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops. Ein besonderes Highlight war die Abendveranstaltung. Die Psychogerontologin Nicole Richard aus Kassel zeigte in beeindruckender und unterhaltsamer Art den 370 Zuhörern die Welt der Demenzkranken.
Der Abschlusstag stand dann ganz im Zeichen der Zukunft. Die 120 Teilnehmer aus den verschiedensten Bereichen, die an der Versorgung von Demenzkranken beteiligt sind entwickelten konkrete Ziele und Ideen, um in der Stadt Oldenburg eine Verbesserung der Situation von Demenzkranken zu erreichen. In Thesenrollen wurden diese Ziele festgehalten und der Stadt Oldenburg übergeben. „In zwei Jahren sollen die 2. Oldenburger Thementage Demenz stattfinden. Bis dahin haben wir uns bestimmte Ziele gesetzt, deren Verwirklichung dann sicherlich nachgefragt werden“, blickt Rita Wick, Fortbildungsbeauftragte des Klinikum Oldenburg und Mitorganisatorin der Veranstaltung in die Zukunft, „wir werden ein Gremium gründen, in dem alle an der Pflege von Demenz Beteiligten, vom pflegenden Angehörigen über die Selbsthilfegruppen und professionell Pflegende bis zum Arzt vertreten sein werden. Wir haben uns Ziele gesetzt und die gilt es nun zu erreichen.“ Ganz oben stand der Wunsch nach der Einrichtung einer speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken und ihren Angehörigen eingerichtete, koordinierenden Informationsstelle bei der Stadt.
Brunhilde Becker, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Oldenburg e.V. und Mitorganisatorin zieht ein Fazit: „Die 1. Oldenburger Thementage Demenz wurden zu einem Treffpunkt von Menschen, denen das Wohlergehen der Demenzkranken besonders am Herzen liegt. Es zeigte sich der dringende Bedarf der Vernetzung vorhandener Aktivitäten. Viele Besucher drückten den Wunsch aus, dass diese Veranstaltung der Auftakt sein sollte, um im Bereich der Versorgung von Demenzkranken nun endlich Nägel mit Köpfen zu machen und dabei auch die politischen Entscheidungsträger in die Pflicht zu nehmen.“
Ihr Ansprechpartner:
Barbara Delvalle, eMail delvalle.barbara@klinikum-oldenburg.de
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