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Pressemitteilungsarchiv

Grenzenlos für gesunde Kinderherzen

Schon vor der Geburt ihres ersten Kindes mussten sich Claudia und Herbert Gröhlich aus Ostrhauderfehn mit der schlechten Nachricht auseinandersetzen: Bei einer Untersuchung im Klinikum Oldenburg wurde bereits im Mutterleib bei dem Kind einen Herzfehler diagnostiziert. Im Juni 2010 kam dann Sohn Simon auf die Welt. Er litt unter einer - in der Fachsprache genannten - Fallot’schen Tetralogie. Dieser Herzfehler beinhaltet einen Defekt der Trennwand zwischen den beiden Pumpkammern des Herzens. Eine Operation war unumgänglich, die Nichtbehandlung hätte zum frühen Tod des Kindes geführt.

Oldenburg, den 12. Januar 2012. Herz-Interventionen bei Kindern und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern dürfen nur in speziellen Zentren durchgeführt werden. Simon war sechs Monate alt, als Ärzte im Universitair Medisch Centrum Groningen (UMCG) ihn im Dezember 2010 erfolgreich operierten. Er gehörte damit zu den ersten Patienten, die im Rahmen einer grenzüberschreitenden strukturellen Kooperation des Herzzentrums des UMCG mit dem Klinikum Oldenburg behandelt worden sind. Die Entscheidung für Groningen war für die Eltern schnell gefallen. „Groningen hatte einen guten Ruf und war für uns mit dem Auto leicht zu erreichen,“ erzählt Herbert Gröhlich und ergänzt schmunzelnd: „Simon geht es heute sehr gut. Er macht den gleichen Unsinn, den alle in seinem Alter machen.“ Aber wie funktioniert eine solche niederländisch-deutsche Kooperation - nicht nur medizinisch, sondern auch organisatorisch? Ist das überhaupt notwendig? Und wie läuft das Verfahren in der Praxis? Nach etwas mehr als einem Jahr ziehen die Beteiligten ein überwiegend positives Fazit.

„Wir konnten mit dieser Kooperation im vergangenen Zeitraum mehreren Kindern und ihren Angehörigen aus der Weser-Ems-Region weite Weg ersparen “ erklärt Dr. Reinald Motz, Kinderkardiologe am Klinikum Oldenburg, „bisher haben wir die Kinder bis nach Kiel transportiert, um diese äußerst komplexe Behandlung durchführen zu lassen, obwohl mit dem Groninger Herzzentrum eine Einrichtung in unmittelbarer Nähe der Weser-Ems-Region liegt.“ Notfallverlegungen nach Gro-ningen sind mit dem Fahrzeug möglich. „Im UMCG werden jährlich 300 bis 350 Operationen bei Patienten mit angeborenen kardiothorakalen Erkrankungen durchgeführt. Gut dreiviertel davon sind Kinder und Neugeborene. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem Katheter-Interventionen, Chirurgie am offenen Herzen und kombinierte Herzlungentransplantationen,“ zählt Prof. Dr. R.M.F. Rolf Berger, Chefarzt in der Kinderkardiologie des UMCG auf. Bisher haben die Groninger Ärzte über 20 Kinder aus der Weser-Ems-Region und Bremen operiert. Die kleinen Patienten kamen unter anderem aus dem grenznahen Westoverledingen, aus Beverstadt in der Nähe von Bremerhaven, aus Emden, Westerstede, Apen, Aurich und Wilhelmshaven. Die Nachsorge erfolgt dann wieder im Klinikum Oldenburg.

Ein Problem bei grenzüberschreitenden Behandlungen ist bisher aber die Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Oft schreckt ein hoher bürokratischer Aufwand ab, da bei einer Behandlung im Ausland ein Extra-Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden muss. Das hängt aber von der jeweiligen Krankenkasse ab. Schon seit Beginn ist die AOK Niedersachsen dieser grenzüberschreitenden Kooperation beigetreten und damit hat sich für Eltern betroffener Kinder bei der AOK viel vereinfacht. Die Eltern müssen keinen Antrag für die Behandlung im Ausland stellen. Eine standardisierte Beantragung der Auslandsbehandlung erfolgt vom Klinikum Oldenburg beim örtlichen Vertreter der AOK Niedersachsen. Die Kostenübernahme ist gesichert. Neun Familien in der Region haben bisher von dieser Kooperation unter vereinfachtem bürokratischen Aufwand profitiert. „Hubschrauberverlegungen sind risikoreicher, medizinisch schwieriger und auch teurer. Im Notarztwagen ist eine gegebenenfalls notwendige medizinische Betreuung während des Transportes möglich. Eine wohnortnahe Versorgung und kürzere Transportwege sind für die kleinen Patienten besser und auch für die Angehörigen wird dadurch vieles einfacher. Somit steigt die Kundenzufriedenheit, wir als Krankenkasse haben Kostenvorteile – also profitieren alle Beteiligten davon.“, erklärt Tanja Harfst, AOK-Regionalbereichsleiterin stationäre Versorgung, die Beweggründe zum Mitmachen. Abgerechnet wird übrigens zwischen der AOK Niedersachsen und dem Klinikum Oldenburg, das wiederum mit dem UMCG abrechnet. Seit neuestem ist auch die hkk mit von der Partie. „Auch die hkk möchte ihren Mitgliedern diese Möglichkeit der Behandlung in Groningen ohne großen bürokratischen Aufwand anbieten,“ meint Karsten Eger von der hkk.

Am Ende sind sich alle einig: Die Zusammenarbeit klappt hervorragend. Jürgen Kruse, Abteilungsleiter der Patientenverwaltung im Klinikum Oldenburg: „Für die Zukunft wünschen wir uns, dass auch andere gesetzliche Krankenkassen aus der Region bei der Kooperation mitmachen.“ Kapazitäten für weitere Patienten aus der Weser-Ems-Region hat das UMCG auf jeden Fall.

Im Jahr der Einrichtung der European Medical School ist diese grenzüberschreitende medizinische Kooperation zwischen den beiden Kliniken aus Oldenburg und Groningen ein gutes Vorzeichen für zukünftige Zusammenarbeit.

Hintergrundinformation Angeborene Herzfehler

Angeborene Herzfehler sind relativ häufig. In Deutschland kommen ungefähr 6.000 Kinder im Jahr mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt. Die Überlebensrate der Patienten mit einem angeborenen Herzfehler hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert. Nicht nur durch neue chirurgische Techniken, sondern auch aufgrund von Katheter-Interventionen, verbesserter Diagnostik und postoperativer Pflege. Aufgrund des Erfolges der Herzchirurgie bei angeborenen Herzfehlern von Neugeborenen und Kindern gibt es jetzt immer mehr Erwachsene mit einem (korrigierten) angeborenen Herzfehler. Diese Patienten kommen jahrelang mit einer gewissen Regelmäßigkeit zur Kontrolle und müssen sich oft auch später, wenn sie älter sind, noch Behandlungen unterziehen.

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Reinald Motz, eMail motz.reinald@klinikum-oldenburg.de
 

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