Die Nabelschnurpunktion ist das Mittel der Wahl bei begründetem Verdacht auf kindliche Blutarmut (z.B. bei Wassereinlagerungen im Körper des Feten oder bei Blutgruppenunverträglichkeit), außerdem neben der Amniozentese die sicherste Methode zur fetalen Chromosomenanalyse
Unter Ultraschallsicht wird durch die Bauchdecke die Nabelschnur punktiert und Blut zur weiteren Untersuchung entnommen. Der Eingriff wird meist ambulant durchgeführt, danach wird körperliche Schonung empfohlen. Die Dauer des Eingriffs variiert von einigen Sekunden bis zu einigen Minuten.
Das Risiko des Eingriffs (z.B. Blutung aus der Punktionsstelle) liegt mit 1-1,5 % etwas über dem der Amniozentese.
Blutgruppenunverträglichkeit
Die bekannteste Blutgruppenunvertäglichkeit ist die Rhesusinkompatibilität. Hierbei kommt es durch direkten Kontakt rhesusnegativer Mütter mit rhesuspositivem Blut zur Bildung von sog.irregulären Antikörpern (körpereigene Abwehrstoffe), die rhesuspositive Blutzellen angreifen. Die angegriffenen Blutzellen werden dadurch zerstört (Hämolyse). Der Kontakt kann entstehen durch (heute sehr seltene) fehlerhafte Transfusion von rhesuspositivem Blut, häufiger durch Übertritt von kindlichem rhesuspositiven Blut (nur bei rhesuspositivem Kindsvater möglich), z.B. nach Fehlgeburten, nach Blutungen in der Schwangerschaft, nach intrauterinen Eingriffen und v.a. bei Geburt. Durch Gabe der sog. Rhesusprophylaxe nach Blutungen, Fehlgeburten, nach Geburt usw. kann die Antikörperbildung heute in den meisten Fällen vermieden werden.
Um zu erkennen, ob Antikörper gebildet wurden, wird bei jeder Schwangeren zu Beginn ein Bluttest durchgeführt, der bei rhesusnegativen Frauen mehrmals wiederholt wird. Nur wenn Antikörper in einer bestimmten Konzentration nachgewiesen werden, besteht eine Blutgruppenunverträglichkeit. In diesem Fall sind weitere gezielte Untersuchungen in regelmäßigen Abständen erforderlich, um eine kindliche Gefährdung bzw. Behandlungsbedürftigkeit rechtzeitig zu erkennen. Die Behandlung besteht heute in der direkten Transfusion von rhesusnegativem Blut in den Kreislauf des Kindes oder bei reifem Kind in der umgehenden Entbindung.
Solange keine irregulären Antikörper nachgewiesen werden, und dies ist bei der überwiegenden Mehrzahl der Schwangeren der Fall, besteht auch keine Gefährdung des Kindes.
Ringelrötelninfektion
Ringelröteln, nicht zu verwechseln mit den bekannteren Röteln, sind eine harmlose, wegen der geringen Beschwerden und einem oft nur sehr flüchtigen Hautausschlag oft übersehene Kinderkrankheit, die aber zu einer vorübergehenden Hemmung der Blutneubildung führen kann. Bei einer mütterlichen Infektion kann auch der Fötus infiziert werden, was in ca. 20 % auftritt. Dabei kann es infolge der v.a. im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittels raschen relativen Gewichtszunahme und damit ansteigenden Blutbedarfs zu einer schwerwiegenden Blutarmut des Feten kommen, die v.a. durch Wassereinlagerungen in dessen Körper erkennbar wird. In der Regel reichen 1-2 Bluttransfusionen in die Nabelschnur aus, um diese kritische Phase zu überwinden. Bei rechtzeitig einsetzender Behandlung sind die Chancen für eine weitere ungestörte Entwicklung sehr gut. Fehlbildungen werden durch Ringelröteln nicht verursacht.
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