Die Herzklappen vieler alter Menschen können nicht mehr so gut schließen, bei einigen sind sie sogar hochgradig schlussunfähig und dann wird es gefährlich. Es kommt zu einem Blutstau in der Lunge und die Patienten haben zunehmend Atemnot. Die Lebensqualität nimmt rapide ab. So erging es auch Irma Heinemann aus Wüsting, bis sie sich entschloss, sich im Herz-Kreislaufzentrum Oldenburg einer neuen Behandlungsmethode zu unterziehen, dem Mitralclipping. Vor zwei Monaten hat Frau Heinenmann diesen Eingriff bei sich durchführen lassen und jetzt kann die 88-Jährige sich wieder selbständig versorgen und freut sich schon auf die nun anstehende Gartenarbeit.
Oldenburg, den 25. März 2011.
Bei dieser Methode wird mittels Katheter, an dessen Spitze ein Clip sitzt, der gesteuert werden kann, die Mitralklappe wieder schlussfähig gemacht. Der Kardiologe öffnet den Clip, geht über die Mitralklappe und fängt mit dem offenen Clip die beiden Herzsegel ein. Durch Zusammenziehen des Clips werden diese Segel dauerhaft fixiert und die Klappe schließt jetzt wieder.
Bereits seit 2009 setzt die Klinik für Kardiologie am Klinikum Oldenburg künstliche Herzklappen mit Hilfe eines Katheters ein. Nun ist das Behandlungsspektrum des Herzkreislauf-Zentrums erweitert worden: „Mit dem Mitralclipping können wir jetzt auch die Mitralklappenfehler bei Patienten beheben, bei denen eine herzchirurgische Operation zu riskant ist.“, berichtet Prof. Dr. Albrecht Elsässer, Direktor der Klinik für Kardiologie, „die Patienten haben nach diesem Eingriff eine viel bessere Lebensqualität und eine deutlich verbesserte Lebensprognose.“
Zwölf Patienten haben bisher von dieser neuen Behandlungsmethode profitiert. Noch gibt es bei diesem jungen Verfahren keine Langzeitergebnisse, aber die schon jetzt sichtbaren Verbesserungen der Situation – nämlich die gesteigerte Mobilität und Lebensfreude geben vielen älteren Menschen Hoffnungen auf einen selbst bestimmten, mobilen Lebensabend.
Mitralklappenfehler und seine Folgen
Wenn bei einem Patienten die Mitralklappe hochgradig schlussunfähig ist (Mitralinsuffizienz III-IV), haben die Patienten zunehmende Atemnot, sind immer weniger belastbar und können nicht mehr flach liegen. Nachts wachen sie wegen stärkster Atemnot auf und müssen sich aufsetzen, weil sie das Gefühl haben zu ersticken. Die Lebensqualität nimmt rapide ab und die Patienten können sich nur noch in einem geringen Umkreis von wenigen Metern bewegen.
Hintergrund Mitralclipping
Mitralklappenfehler konnte man bisher nur durch eine herzchirurgische Operation beheben, indem man entweder die Klappe rekonstruiert oder eine Ersatzklappe einbaut. Das OP-Risiko ist bei Patienten in sehr hohem Alter oder bei Patienten mit Begleiterkrankungen sehr hoch. Nun gibt es für diese Patientengruppen das Mitralclipping.
Der Kardiologe punktiert die Venen in der Leiste, geht mit dem Katheter in den rechten Vorhof und durch die Vorhofscheidewand durch. Er legt einen Draht ein, schiebt darüber eine lange Schleuse. Dann wird ein System eingebracht, an dessen Spitze ein Clip montiert ist, der vom Kardiologen gesteuert werden kann. Er öffnet den Clip, geht über die Mitralklappe und fängt mit dem offenen Clip die beiden Segel. Durch Zusammenziehen des Clips werden diese Segel dauerhaft fixiert. Dieses gesamte Manöver wird teilweise unter Durchleuchtung (Röntgen-Strahlung) und immer unter echokardiographischer Kontrolle durchgeführt. Damit kann dann auch sofort der Erfolg des Clippings kontrolliert werden, bevor der Clip endgültig abgesetzt wird.
Herzklappen sind Ventile, die dafür sorgen, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann. Herzklappen-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Herzerkrankungen. Die Gründe sind vielfältig: Mit zunehmendem Alter degenerieren die Herzklappen, zudem gibt es angeborene Herzklappen-Fehler und durch Infektionen können auch Defekte an Herzklappen entstehen.
Ihr Ansprechpartner:
Barbara Delvalle, eMail delvalle.barbara@klinikum-oldenburg.de
Bildmaterial zu dieser Pressemitteilung:
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