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Halbzeit in der Teilzeitausbildung Pflege

Es war kein Aprilscherz, als vor zwei Jahren am 1. April der erste Teilzeitkurs in der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung des Klinikums Oldenburg an den Start ging. 20 Frauen zwischen 25 und 45 Jahren, darunter auch die 27-jährige Merit Rosenkranz, begannen mit der ersten Teilzeitausbildung in der Pflege im Klinikum. Neuland für die Teilnehmerinnen, aber auch für die Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Klinikums. 

Oldenburg, den 27. April 2018.

„Von der Teilzeitausbildung in der Pflege profitieren beiden Seiten gleichermaßen. Sie ist ein geeignetes Ausbildungskonzept für Frauen mit familiären Verpflichtungen, Alleinerziehende mit Kindern und Wiedereinsteiger ins Berufsleben“, meinte damals Oberin Birgit Plaschke, Pflegedirektorin im Klinikum Oldenburg, „und vor dem Hintergrund, dass es immer schwieriger wird, Nachwuchs für die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege zu gewinnen, sind wir uns auch sicher, dass die Teilzeitausbildung in der Pflege für uns als Klinikum eine große Chance sein wird, da wir eine ganz neue Zielgruppe für die Ausbildung ansprechen.“

Die Ausbildung dauert durch die verkürzten Arbeits- und Unterrichtstage vier Jahre - also ein Jahr länger wie die Vollzeitausbildung - und passt sich dadurch der familiären Situation an. Aber wie stellt sich nun - bei Halbzeit – die Situation dar? Hat sich die Einführung der Teilzeitausbildung gelohnt? Und wie sieht der Alltag einer Teilzeitauszubildenden in der Pflege eigentlich aus? Merit Rosenkranz gibt uns dazu einen Einblick in ihren Alltag.

„Für mich war dieses Angebot zur Teilzeitausbildung wie ein Sechser im Lotto“, sagt die heute 29jährige. Eigentlich hatte Merit Rosenkranz Architektur studiert, später dann in der Gastronomie eine Ausbildung gemacht, als ihr Sohn Finn 2014 auf die Welt kam. In der Rückbildungsgruppe nach der Geburt lernte sie dann gleich mehrere Mütter kennen, die vor der Geburt als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen gearbeitet hatten und auch nach der Elternzeit wieder in den Beruf zurückkehren wollten und konnten. „Da kam mir erstmalig der Gedanke, dass gerade dieser Beruf es einem als Mutter leichter ermöglicht, berufstätig zu sein und trotzdem auch viel Zeit mit dem Kind verbringen zu können. Aber natürlich kam für mich eine normale dreijährige Ausbildung nicht in Frage, weil ich dann meinen Sohn nicht mehr hätte betreuen können und dies anderen hätte überlassen müssen. Das wollte ich nicht.“

Da kam dann der erste Kurs zur Teilzeitausbildung in der Pflege wie ein Geschenk des Himmels. Sie bewarb sich kurzerhand und wurde auch sofort genommen – nicht selbstverständlich, da sich für die 20 Plätze über 50 Frauen beworben hatten.

Mit den anderen Teilnehmerinnen verstand sie sich von Anfang an. „Wir haben alle die gleiche familiäre Situation, wenn auch die Kinder unterschiedlich alt sind. Wir haben die gleiche Themen und Probleme, die uns bewegen – das verbindet. Da hat man viel mehr Verständnis füreinander, wenn zum Beispiel das Kind mal krank ist.“

Ihr Arbeitsalltag unterscheidet sich je nachdem, in welcher Phase sie sich in der Ausbildung befindet. „Generell wechseln regelmäßig alle paar Wochen Schulphasen und die Praxisausbildung im Krankenhaus oder in Pflegeeinrichtungen außerhalb. Da muss ich mich unterschiedlich organisieren.“ In der Schulphase steht sie um halb sechs Uhr früh auf und bringt Finn nach dem gemeinsamen Frühstück in die Krippe. Dann hat sie von 8-13 Uhr Schule. Nach Schulschluss muss sie einkaufen gehen und andere Arbeiten im Haushalt machen, wie waschen, putzen, bügeln. Und weil Nähen, Kochen und Backen zu ihren Hobbies zählt, kann sie zumindest dabei das Nützliche mit dem Schönen verbinden. Um 15 Uhr holt sie dann Finn von der Krippe ab und ist dann auch nachmittags viel mit ihm unterwegs, z.B. beim Kinderturnen. Und wann bitte wird gelernt? „In den Abendstunden, wenn Finn im Bett ist, dann muss ich mich hinsetzen“, dabei lacht sie, „ja, das war das Schwierigste - nicht nur für mich: das Lernen sozusagen wieder zu erlernen!“ Nicht ohne Stolz erzählt sie, dass alle Lehrerinnen und Lehrer dem Kurs eine besonders hohe Motivation bescheinigen. „Vielleicht, weil wir schon erfahren haben, dass man sich selbst auf den Hosenboden setzen und Eigenverantwortung übernehmen muss, wenn man etwas erreichen will. Wer direkt aus der Schule kommt, kennt so etwas ja noch nicht so.“

Ganz anders sieht ihr Alltag aus, wenn sie sich in der Stationsphase befindet: „Meine Praxisphase könnte ich ohne die Unterstützung meines Mannes, der Garten- und Landschaftsbauer bei der Gemeinde Rastede ist, nicht bewältigen. Er bringt dann Finn in die Krippe.“ Merit Rosenkranz muss in der Praxisphase bereits Viertel nach vier aufstehen, bereitet die Pausenbrote für alle vor, um dann Viertel nach fünf aus dem Haus zu gehen. Von 6 bis 12 Uhr hat sie dann Dienst. „Ich lerne dabei immer wieder verschiedene Stationen im Klinikum kennen – von der geriatrischen über die kardiologische bis hin zur gastroenterologischen Station - immer 6-7 Wochen – oder auch mal außerhalb bei Pflegeeinrichtungen.“ Die Resonanz der examinierten Pflegekräfte war dabei bisher immer gut. „Viele sind begeistert, dass es diese Form der Pflegeausbildung jetzt auch gibt. Man braucht ja auch Pflegepersonal – wer weiß das besser als die Pflegenden selbst - und da ist es halt auch gut, wenn man als Krankenhaus Pflegepersonal ausbildet.“ Anfangs hatte Merit Rosenkranz Bedenken, dass sich herausstellen könnte, dass sie sich nicht für den Pflegeberuf eignet und dass sie nicht zupacken könnte, wenn es denn notwendig wäre. „Das hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Heute muss ich darüber schmunzeln, dass ich mir darüber Sorgen gemacht habe. Da wächst man einfach rein und nach einer gewissen Zeit denkt man darüber gar nicht mehr nach.“

Wenn - wie vor kurzem bei der Grippewelle - das Kind krank wird, wird es schwieriger. Oder wenn eine Operation am Bein wie im vergangenen Jahr gemacht werden muss – dann muss auch der Mann bei der Kinderbetreuung einspringen, was für beide aber auch selbstverständlich ist. Auch dass sie mit ihrer kleinen Familie mitten in der Hausbauphase steckt, macht es manchmal schwer, alles unter einen Hut zu bringen und allen Anforderungen gerecht zu werden. Aber Merit Rosenkranz hat ein Ziel: „Ich will einen Beruf haben. Ich finde es dabei weniger wichtig, dass wir mit einem zweiten Verdienst natürlich unseren Lebensstandard verbessern können. Mir ist vor allem eines wichtig: Dass ich etwas für mich tue. Immerhin macht der Beruf einen Hauptteil des Lebens aus und die Kinder gehen ja irgendwann auch aus dem Haus.“


Die Hälfte des Ausbildungsweges ist bereits geschafft. Anfang 2020 wird sie fertig sein und dann hofft sie, dass sie direkt eine Stelle bekommt – was niemand angesichts des Bedarfes an Pflegekräften ernsthaft anzweifelt. „Es muss eine Teilzeitarbeitsstelle sein, denn ich will – solange mein Sohn klein ist, möglichst viel Zeit für ihn haben. Ich denke da vor allem an Nachtschichten!“

Nicht alle derjenigen, die vor zwei Jahren angefangen haben, haben es bis hierhin geschafft. Aber diejenigen, die die Halbzeit erreicht haben, werden dies hochwahrscheinlich bis zum Ende durchziehen. „Das wären dann 15 ausgebildete Pflegekräfte und wir hoffen natürlich, dann als Arbeitgeber für die meisten von ihnen die erste Wahl zu sein“, schaut Angelika Kroos-Kuhlenbeck, Zentralleitung des Bildungszentrums am Klinikum Oldenburg hoffnungsfroh in die Zukunft. Und weil der Erfolg des ersten Teilzeitausbildungskurses in der Pflege so gut wie fest steht, laufen jetzt auch bereits Planungen für den nächsten Kurs. Er startet am 1. April 2019. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 31. Januar 2019, aber erste Bewerbungen sind bereits eingegangen.

Nicht nur Merit Rosenkranz kann diese Ausbildung in der Pflege empfehlen. Auch ihre Mitschülerinnen schätzen an der Teilzeitausbildung die familienfreundliche verkürzte Arbeitszeit, die flexiblen Anfangszeiten, die Möglichkeit ab mittags die Kinder versorgen zu können, dass die Urlaubszeiten in den Schulferien liegen und die geringe Anzahl der Nachtschichten während der Ausbildung. Da nehmen sie gern die um ein Jahr längere Ausbildung in Kauf. Corinna Mönkemeier bringt es auf den Punkt: „Gut Ding will nun mal Weile haben!“

„Die Teilzeitpflegeausbildung ist ein neuer Mosaikstein in unseren Ausbildungsmöglichkeiten“, sagt Vorstand Dr. Dirk Tenzer. Das Klinikum Oldenburg ist eine der größten Ausbildungsstätten in der Region und hat jährlich mehr als 300 Auszubildende (ohne Medizinstudenten). Das Ausbildungsangebot reicht von den Gesundheitsberufen im Bereich der Pflege und der Medizin bis hin zu kaufmännischen Berufen.


Klinikum Oldenburg | Medizinischer Campus Universität Oldenburg

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