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Videobrille auf, Juckreiz weg

Neue Wege in der nichtmedikamentösen Juckreiz- und Schmerztherapie geht die Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie des Klinikums Oldenburg. In der Klinik ist eine ganz besondere Brille im Einsatz, die zur Ablenkung und Entspannung bei Patientinnen und Patienten dient – die Videobrille einer Firma aus Wien. „Ausgangspunkt war, dass wir etwas suchten, das wir unseren Patienten und Patientinnen als Alternative zu Medikamenten in der Schmerztherapie anbieten können. Es sollte etwas sein, das entspannt und ablenkt, so dass das Gehirn und die Sinne während der Therapie mit positiven Eindrücken beschäftigt ist.“, berichtet Frau Prof. Dr. Ulrike Raap, Direktorin der Universitätsklinik für Dermatologie. „Die Brille wird bereits in den USA in der Schmerztherapie und in Verbrennungsstationen eingesetzt um weniger morphinhaltige Medikamente, sogenannte Opioide, geben zu müssen“ ergänzt Dr. Carsten Bantel, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv, Notfallmedizin & Schmerztherapie im Klinikum. Über mehrere Monate wurden verschiedene Geräte ausprobiert und gerade diese Videobrille hatte erstaunliche Ergebnisse gezeigt. Der Stationsleiter Matthias Wilke erzählt: „Wir haben beobachtet, dass die Videobrille bei den Patientinnen und Patienten auf unserer Station nicht nur entspannt, ablenkt und zu einer Schmerzreduktion führt, sondern auch zur Folge hat, dass der Juckreiz bei Hautirritationen bei vielen nachgelassen hat.“ Frau Prof. Raap ergänzt: „Dermato¬logische Erkrankungen gehen oftmals mit Juckreiz einher. Das stellt eine zusätzliche psychische Belastung der Erkrankten dar. Alles, was dazu beiträgt, dass sich unsere Patientinnen und Patienten wohler fühlen, wirkt sich positiv auf die Heilung aus. Deshalb haben wir nun die Videobrille auf der Station regelmäßig im Einsatz.“

Oldenburg, den 26. April 2019.

Jetzt soll eine Studie diese positiven Ergebnisse gegenüber dem Juckreiz auf ein wissenschaftliches Fundament setzen. Die Videobrille ist aber nicht nur bereits fest in den Stationsalltag integriert und wird mehrmals in der Woche bei Schmerz und Juckreiz genutzt, auch mit der Schmerztherapieabteilung des Klinikums arbeitet die Dermatologie eng zusammen, damit die Brille auch in anderen Bereichen, z.B. in der Palliativmedizin, aber auch in der Kinderheilkunde eingesetzt werden kann.
Im Vorfeld hatte die Station drei verschiedene Systeme getestet mit der Virtual Reality Brille (VR), der Augmented Reality Brille (AR) und Audiovisuelle Stimulation Brille (AS). Nach knapp drei Monaten fiel das Fazit durch die Patientinnen und Patienten deutlich für die Videobrille (AS) aus. Gründe hierfür waren überraschenderweise, dass die anderen beiden eher unruhig machten, dadurch, dass sie zum Mitmachen und Umherschauen animieren. Testprobanden sollten eigentlich ausschließlich Schmerzpatientinnen und -patienten sein.„Da diese Therapie im Patientenbett stattfindet, wurden aber auch andere Patienten aufmerksam und waren an der Brille interessiert. Deshalb durften sie auch testen“, erzählt Matthias Wilke, „dabei fiel schnell auf, dass besonders die Juckreiz-Patienten positiv auf die Behandlung reagierten. Und damit war auch schnell die Idee geboren, dies zum einen wissenschaftlich aufzuarbeiten und zum anderen unseren Patienten diese Möglichkeit mit anzubieten.“ Nach Auswertung der Evaluationsbögen der Testphase zeigte sich, dass 90% der Patientinnen und Patienten während der Behandlung entspannter waren.

Hintergrundinformationen Audiovisuelle Videobrille
Videobrillen werden unter anderem bei medizinischen Eingriffen eingesetzt, um bei Patientinnen und Patienten Angst und Stress zu verhindern, da dies zu erhöhtem Blutdruck, Puls und Atmungs-beschleunigung führt, und Schmerzen intensiver wahrgenommen werden. Während der Behandlung kann der Patient jeweils abgestimmt auf das Alter beruhigende Naturdokumentationen oder auch Konzerte oder Kinderserien sehen. Dabei ist jederzeit die behandelnde Person in der Lage mit dem Patienten über den Kopfhörerzugang zu kommunizieren. Auch unterschiedliche Sprachen sind verfügbar. Es hat sich gezeigt, dass die Patientinnen und Patienten weniger Schmerzen wahrnehmen, die Behandlungsdauer als kürzer empfinden und sich nach Eingriffen auch schneller erholen.


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Ihr Ansprechpartner:
Frau Univ.-Prof. Dr. med. U. Raap, eMail raap.ulrike@klinikum-oldenburg.de

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