Portal Notfall Aufnahme

Universitätsklinik für Innere Medizin – Onkologie und Hämatologie


Zahlen, Daten, Fakten

48 stationäre Betten
10 teilstationäre Betten
3 Stationen
107 Mitarbeiterinnen & Mitarbeiter

Im Jahr 2018

1.255Behandlungsfälle (DRG)
200teilstationäre Behandlungstage
118Knochenmarktransplantationen
insgesamt, davon...
85autologe Stammzelltransplantationen
33allogene Stammzelltransplantationen


Behandlungsspektrum

  • Akute und chronische Leukämien
  • gutartige Bluterkrankungen
  • Gerinnungsstörungen
  • M. Hodgkin
  • Non-Hodgkin-Lymphome
  • Hauttumoren
  • Kopf-Hals-Tumoren
  • Bronchialtumoren
  • Mediastinaltumoren
  • Oesophagustumoren
  • Magentumoren
  • Pankreastumoren
  • Lebertumoren
  • Gallenwegstumoren
  • Dünndarmtumoren und Carcinoide
  • Dickdarm- und Enddarmtumoren
  • Mammatumoren
  • Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane
  • Nierentumoren
  • Tumoren der ableitenden Harnwege
  • Keimzelltumoren des Mannes
  • Tumoren der männlichen Geschlechtsorgane
  • Weichteilsarkome
  • Tumoren der Stützgewebe (Knochen, Knorpel)

Entsprechend der Reihenfolge der oben aufgeführten Übersicht möchten wir Ihnen im Folgenden kurz die Erkrankungen und Ihre Behandlungsmöglichkeiten vorstellen.
 
Bluterkrankungen

Der Schwerpunkt Hämatologie ist ein Kompetenz-Zentrum für die Erkrankungen des Blutes, des Immunsystems und der Blutgerinnung. Dazu gehört das Laboratorium für spezielle hämatologische Diagnostik.

Hier werden jährlich Tausende von Untersuchungen des Blutes, des Knochenmarks zur Erkennung von angeborenen oder erworbenen, gut- und bösartigen Erkrankungen der roten und weißen Blutkörperchen, der Blutplättchen, der blutbildenden Zellen im Knochenmark, des Lymph- und Immunsystems sowie des Blutgerinnungssystems durchgeführt.
 
Eine enge Kooperation mit Speziallaboratorien der Universitätskliniken und nationalen Referenzzentren ermöglicht den Einsatz modernster hämatologischer Spezialverfahren
zur Beantwortung spezieller Fragestellungen für die Therapie-Planung und Verlaufsbeurteilung, z. B. bei akuten und chronischen Leukämien, malignen Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen sowie Plasmozytomen (Multiplen Myelomen).
 
Eine Vielzahl von Patienten können ambulant beraten und untersucht, gegebenenfalls ambulant, tagesklinisch (teilstationär) oder stationär behandelt werden.
 
Um neue, vielversprechende Therapieverfahren bei speziellen Erkrankungen anbieten zu können, ist die Klinik in zahlreichen wissenschaftlichen Studiengruppen zum Einsatz modernster Therapie-Verfahren sowie zur Optimierung der Standard-Therapien vertreten
 
Hodgkin-Lymphom ( früher : „Morbus Hodgkin“ )
 
Das Hodgkin-Lymphom ist eine Erkrankung, die durch spezielle entartete Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen ausgelöst wird . Die Erkrankung wird zu den bösartigen Lymphdrüsentumoren gezählt.
 
Sowohl im frühen als auch im späten Stadium der Erkrankung besteht durch eine Chemotherapie eine sehr gute Heilungschance. Je nach individueller Krankheitssituation sollte eine intensivere oder weniger intensive Chemotherapie erfolgen, um eine Heilung zu erzielen. Unter bestimmten Umständen kann eine ergänzende Strahlentherapie nach Abschluss der Chemotherapie die Heilungschance weiter verbessern.
 
Die guten Erfolge bei der Behandlung des Hodgkin-Lymphom verdanken wir den Therapiekonzepten der Deutschen Hodgkin-Studiengruppe (DHSG) der Universitätsklinik Köln. In der Regel wird den Patienten nach gemeinsamer Diskussion mit einem Spezialistenteam die Teilnahme an den aktuellen Therapiestudien der DHSG empfohlen, wodurch eine deutschlandweit einheitliche, auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Therapie ermöglicht wird.
 
Im Falle eines erneuten Auftretens einer Hodgkinschen Erkrankung nach vorheriger Chemotherapie („Rezidiv“) ist weltweit die Durchführung einer Hochdosischemotherapie mit Unterstützung von patienteneigenen („autologen“) Stammzellen die Standardtherapie.
Auch in dieser Situation besteht eine relativ gute Chance auf Heilung.
 
Über die Nutzen und Risiken dieser Therapie werden die Patienten durch unsere Spezialisten im individuellen Gespräch und im Rahmen von regelmäßigen Seminaren zum Thema „Hochdosischemotherapie“ informiert.
 
Non-Hodgkin-Lymphome ( NHL )
 
Non-Hodgkin Lymphome sind eine sehr uneinheitliche Gruppe von Erkrankungen, die auf eine Entartung von einer bestimmten Art weißer Blutkörperchen, den Lymphozyten zurückzuführen sind. Sie werden zu den bösartigen Erkrankungen gezählt.
 
Da es sehr viele unterschiedliche Lymphozyten in verschiedenen Entwicklungsstadien gibt, verläuft jede Erkrankung anders und wird auch unterschiedlich behandelt. Manche NHL brauchen zunächst über viele Jahre gar nicht behandelt zu werden und beeinträchtigen den Patienten überhaupt nicht („niedrig maligne“ oder „indolente“ Lymphome), wieder andere wachsen sehr aggressiv und müssen intensiv und rasch behandelt werden („hochmaligne“ oder „aggressive“ Lymphome) . Häufig besteht die Möglichkeit, die Erkrankung zu heilen.
 
Wenn eine Behandlung notwendig ist, stehen grundsätzlich verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
 
Bei manchen Lymphomen kann im frühen Stadium eine alleinige Bestrahlung die Erkrankung heilen. Häufig benötigt man eine Chemotherapie, um die Erkrankung zu kontrollieren oder häufig auch zu heilen. Immer öfter wird eine gezielt gegen Tumorzellen gerichtete Immuntherapie, allein oder in Kombination mit Chemotherapie eingesetzt.
 
Bei wiederholtem Krankheitsausbruch („Rezidiv“) oder beim Vorliegen bestimmter Risikofaktoren kann bei geeigneten Patienten eine Hochdosischemotherapie mit Stammzellunterstützung (früher auch „Knochenmarktransplantation“ genannt) entweder mit patienteneigenen („autologen“) oder fremden („allogenen“) Stammzellen durchgeführt werden. Auch hier ist die Heilung das Ziel der Therapie.
 
Ein Spezialistenteam wird mit Ihnen zusammen einen individuellen Behandlungsplan erstellen, wobei geeigneten Patienten auch die Teilnahme an den wichtigen internationalen Therapiestudien zur Behandlung von NHL angeboten wird.
 
Multiples Myelom (Plasmozytom)
 
Ein multiples Myelom, auch Plasmozytom genannt, ist eine Erkrankung, die auf einer Entartung spezieller weißer Blutkörperchen, den Plasmazellen beruht. Die Ursache hierfür ist in der Regel unbekannt. Normalerweise sind diese Zellen ein wichtiger Teil des Immunsystems. Bei Patienten mit einem Plasmozytom kommt es durch die rasche Vermehrung der fehlgeleiteten Plasmazellen und durch die Produktion von bestimmten Eiweißen und hormonartigen Substanzen mit der Zeit zu Problemen an Nieren, Knochen, Blut- und Immunsystem.
 
Einige Plasmozytome können sich über viele Jahre hinweg ohne Therapie ruhig verhalten ohne wesentlichen Schaden anzurichten, andere wiederum erfordern aufgrund einer sehr hohen Aktivität die zügige Durchführung einer Chemotherapie, manchmal einer Strahlentherapie.
 
Mit der Chemotherapie können die entarteten Plasmazellen in ihrer Vermehrung und Aktivität im ganzen Körper gestoppt und vernichtet werden. Hierfür stehen sowohl sehr milde, nebenwirkungsarme Therapien als auch intensivere Chemotherapien bis hin zur Stammzelltransplantation ( früher „Knochenmarktransplantation“ ) zur Verfügung. Die Strahlentherapie kann bei örtlich begrenzten Problemzonen, z.B. einem schmerzhaften Knochenbefall in der Wirbelsäule sehr hilfreich sein.
 
Ihr Spezialistenteam wird mit Ihnen zusammen nach Durchführung verschiedener Untersuchungen einen individuell angepassten Behandlungsplan entwickeln. Hierzu werden geeigneten Patienten auch die Teilnahme an Therapiestudien angeboten, die deutschlandweit ein einheitliches Therapiekonzept unter Verwendung aller moderner Verfahren zur Behandlung des multiplen Myeloms verfolgen.
 
Melanom (Hauttumoren)
 
Das maligne Melanon, der bösartigste Hauttumor, sollte möglichst früh entdeckt und operativ entfernt werden, um eine möglichst hohe Heilungsrate zu erreichen.
 
Bei nicht ganz kleinen Tumoren (ab 1 mm Tumordicke) wird in unserer dermatologischen Klinik eine „Schildwächterlymphknotenentfernung“ durchgeführt, um einen Lymphknotenbefall zu erfassen.
 
Bei Befall dieses Schildwächterlymphknotens (sentinel lymph node) werden die regionalen Lymphknoten möglichst komplett entfernt, um noch einen Teil dieser Patienten heilen zu können.
 
Die Heilungsrate wird verbessert durch eine anschließende Behandlung mit Interferon. Bei Fernmetastasen (z. B. in Lunge, Knochen, Leber) bieten wir in Kooperation mit anderen Spezialisten häufig eine ambulante oder stationäre Chemotherapie an, um bei einem Teil der Patienten eine längerfristige Tumorrückbildung oder -stabilisierung erreichen zu können. Bei Hirnmetastasen, evtl. auch bei Knochenmetastasen, wird eine Bestrahlung empfohlen.
 
In Studien werden z. Zt. immunologische Behandlungen (sogenannte Vakzinationen) durchgeführt, die in ihrer Wirksamkeit noch nicht ausreichend abgeklärt sind.
 
Bronchialtumoren (Lungenkrebs)
 
 Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen beim Mann, tritt aber auch immer häufiger bei Frauen auf. Der Großteil der Lungenkrebserkrankungen wird durch das Rauchen (und das Passivrauchen) verursacht. Eine andere mögliche Ursache ist der längere Kontakt mit krebserregenden Stoffen in der Luft (z.B. Asbest, Radon ).
 
Wegen seiner unspezifischen Symptome wie Husten mit oder ohne blutigen Auswurf, Atemnot, Schmerzen, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit wird er oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt.
 
Es gibt verschiedene Formen des Lungenkrebs, die sich im Krankheitsverlauf, in der Behandlung und in den Behandlungserfolgen stark unterscheiden. Die wichtigsten Formen sind das großzellige (oder genauer : nicht-kleinzellige) Bronchialcarcinom oder das kleinzellige Bronchialcarcinom.
 
Der Verdacht auf Lungenkrebs bestätigt oft schon eine Röntgenaufnahme der Lunge, andere bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Computertomografie lassen Rückschlüsse auf die Ausdehnung des Tumors oder auf Metastasen zu. Sehr wichtig zur Diagnostik ist die Bronchoskopie (Lungenspiegelung), bei der Gewebeproben entnommen werden.
 
Ziel der Behandlung ist zunächst immer die operative Entfernung des Tumors und der Lymphknoten des betroffenen Gebiets samt einem ausreichenden Sicherheitssaum. Oft ist anschließend eine Strahlen- oder Chemotherapie notwendig. Besonders das kleinzellige Carcinom hat die unangenehme Eigenschaft, schon sehr früh kleinste, nicht sichtbare Tochtergeschwülste auszubilden. Dafür reagiert es im Gegensatz zu den nicht-kleinzelligen Tumoren empfindlich auf eine Chemotherapie mit zellwachstumshemmenden Medikamenten. Trotzdem ist die Zahl der Rückfälle groß.
 
Selbst nach einer Operation ist eine vollständige Heilung selten. Die weit fortgeschrittenen nicht kleinzelligen Carcinome lassen sich mit einer Chemotherapie eindämmen. Auch die Strahlentherapie zeigt Erfolge. Bei beiden Tumorarten scheint eine Kombination von Strahlen- und Chemotherapie die Rückfallrate zu senken.
 
Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den verschiedenen Fachabteilungen (Thoraxchirurgie und Strahlentherapie) ist eine optimale individuelle Behandlungsstrategie möglich. Daneben werden in unserer Abteilung neue erfolgversprechende Chemotherapieprotokolle eingesetzt.
 
Ösophagustumoren (Speiseröhrenkrebs)
 
Für die Behandlung von Patienten mit Oesophagustumoren ist die enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgie, Strahlentherapie, Gastroenterologie und Onkologie notwendig. Auf einer wöchentlich stattfindenden multidisziplinären Tumorkonferenz werden diese Patienten unter Anwesenheit des Radiologen und Pathologen gemeinsam besprochen und das therapeutische Vorgehen festgelegt.
 
Hierbei kann im Einzelfall in der Herstellung der Passage der Speiseröhre ein Plastik- oder Metallrohr (Stent) notwendig sein oder die kombinierte Strahlen- und Chemotherapie eine therapeutische Alternative bieten. Zunehmend werden Patienten zunächst strahlen- und chemotherapiert und dann den Chirurgen zur Operation vorgestellt. Für Patienten in frühen Stadien kommt eine alleinige Operation in Frage.
 
Magentumoren
 
Der Magenkrebs nimmt erfreulicherweise in den letzten Jahren deutlich ab, wobei es allerdings eine starke Zunahme von Erkrankungen am Übergang des Magens und der Speiseröhre zu verzeichnen gibt. Falls ein Magenkrebs nicht mehr zu operieren ist, profitieren die Patienten in der Regel von einer systemischen Chemotherapie, die sich in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Tumorbedingte Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme oder tumorbedingte Schmerzen können sich häufig relativ rasch bessern. Inwieweit eine Chemotherapie bei einem Patienten sinnvoll ist, bedarf der sorgfältigen Abwägung.
 
Zunehmend werden auch Patienten vor einem operativen Eingriff mit einer Chemotherapie behandelt, da sich hierdurch die Heilungschancen verbessern lassen. Bei einigen Patienten kann es sinnvoll sein, auch nach einer Operation eine Strahlen- und Chemotherapie durchzuführen, um die Heilungschancen weiter zu verbessern. Die beiden letztgenannten Therapieoptionen werden zukünftig in einer großen europäischen Studie überprüft werden. Außerhalb von Studien bedarf es der sorgfältigen Therapieplanung, um aus den Therapieoptionen für den einzelnen Patienten die beste festzulegen.
 
Pankreastumoren
 
Bösartige Tumoren des Pankreas sollten wenn möglich operiert werden. Häufig kann durch eine nach der Operation durchgeführten systemischen Chemotherapie die Heilungschance weiter verbessert werden. Bei fortgeschrittener Erkrankung, bei der bereits Tumorabsiedlungen in anderen Organen vorliegen, kann eine Chemotherapie die Prognose der Patienten deutlich verbessern und tumorbedingte Beschwerden lindern. Im Gespräch müssen Wirkungen und Nebenwirkungen der Therapie sorgfältig abgewogen werden. Grundsätzlich besteht jedoch die allgemeine Auffassung, dass Patienten von einer Chemotherapie profitieren und diese daher den meisten Patienten angeboten werden kann.
 
Lebertumoren
 
Bei Tumoren der Leber unterscheiden wir unter Geschwülsten, die aus der Leber entstanden sind oder bei denen Krebszellen, die ihren Ursprung in anderen Organen haben, in die Leber hineingewandert sind.
 
Bei Tumoren, die im Lebergewebe entstanden sind, ist die Operation die Therapie der Wahl. Sollte sie nicht möglich sein, stehen in Zusammenarbeit mit dem interventionalen Radiologen lokale Therapieverfahren zur Verfügung, die den Tumor entweder durch Hitze zerstören oder durch gezielt eingebrachte Therapiekatheter regional behandelt werden können. Darüber hinaus können in Zusammenarbeit mit den Gastroenterologen weitere lokale Therapieverfahren angeboten werden, indem z. B. Alkohol direkt in den Tumor unter sonographischer Kontrolle gespritzt wird.
 
Bei Tumoren, die ihren Ausgang in anderen Organen haben und in die Leber gestreut sind, ist die Behandlung sehr unterschiedlich und richtet sich nach dem Ursprungsort des Tumors. Häufig ist auch hier die Operation möglich und kann zur Heilung führen. Gelegentlich kann durch eine vor der Operation durchgeführte Chemotherapie erst eine Operation möglich werden.
 
Karzinoide
 
Karzinoide sind seltene Erkrankungen, die ihren Ursprung im Magen-/Darmtrakt, aber auch im Lungengewebe haben können. Diese Tumoren haben häufig einen sehr unterschiedlichen Verlauf. Bei einigen Patienten können sie über lange Zeit auch ohne Therapie vollkommen ohne Beschwerden verlaufen. Diese Patienten bedürfen der sorgfältigen, engmaschigen Kontrolle, um den richtigen Zeitpunkt der Therapie festlegen zu können.
 
Bei anderen Patienten kann die Erkrankung sehr rasch verlaufen und bedarf frühzeitig der intensiven Chemotherapie, die dann häufig auch sehr erfolgreich eingesetzt werden kann. Die Operation kann in frühen Stadien zur vollständigen Heilung führen und wird immer als erstes erwogen. Leider ist bei vielen Patienten eine Operation nicht möglich, so dass auf andere Therapieverfahren zurückgegriffen werden muss.
 
Einige Patienten haben besondere Beschwerden, insbesondere wenn die Tumoren besondere Hormone oder Botenstoffe produzieren, die zu einem schnellen Herzschlag, Gesichtsrötung oder Durchfall führen (Karzinoide). Bei diesen Patienten kann sehr wirkungsvoll die Symptomatik unterdrückt werden, indem spezielle Medikamente in regelmäßigen Abständen unter die Bauchdecke gespritzt werden.
 
Darüber hinaus sind in Zusammenarbeit mit der radiologischen Abteilung lokale Therapieverfahren bei einigen Patienten möglich, bei denen über spezielle Therapiekatheter häufig in die Leber direkt vor den Tumor Medikamente injiziert werden.
 
Dünndarm- und Dickdarm- sowie Enddarmtumoren
 
Die selteneren Dünndarmtumoren werden in der Regel wie Dickdarmtumoren behandelt, d. h. es erfolgt zunächst die Operation und es kann sich eine systemische Chemotherapie anschließen, die die Heilungschancen weiter verbessert. Dieses Verfahren ist insbesondere bei Dickdarmtumoren etabliert. Falls nach einer Operation eine Chemotherapie notwendig ist, wird diese in der Regel über ein halbes Jahr in 14-tägigen Abständen durchgeführt. Erfreulicherweise haben sich diese Therapieverfahren in der letzten Zeit deutlich verbessert.
 
Bei Tumoren des Enddarms oder Mastdarms wird heutzutage überwiegend eine vor der Operation durchgeführte Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt, da hierdurch die operativen Ergebnisse deutlich verbessert werden können. Nach der Operation schließt sich häufig eine Chemotherapie an. Die Entscheidung für diese Therapieverfahren richtet sich nach dem Ausbreitungsstatus des Tumors und danach, ob regionale Lymphknoten befallen sind.
 
Falls Darmtumoren bereits in andere Organe, insbesondere häufig die Leber, gestreut haben, ist erneut zu prüfen, ob durch eine Operation der Leber oder auch der Lunge eine Heilung möglich erscheint. Ist dies nicht der Fall, kann häufig durch eine wirksame Chemotherapie der Tumor soweit verkleinert werden, dass zu einem späteren Zeitpunkt eventuell eine Operation möglich ist. Die Möglichkeiten der Chemotherapie haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Es stehen neben den klassischen chemotherapeutischen Medikamenten sehr wirksame Antikörper zur Verfügung, die insbesondere wenn sie zusammen mit einer Chemotherapie eingesetzt werden, die Ergebnisse deutlich verbessern, ohne die Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu steigern. Die Chemotherapie kann überwiegend ambulant durchgeführt werden.
 
Brustkrebs (Mammakarzinom)
 
In Deutschland erkranken jährlich mehr als 47500 Frauen an diesem Tumor, selten auch Männer. Bei Frauen ist es die häufigste Tumorerkrankung. Die Therapie unterscheidet sich nach der Ausbreitung der Erkrankung und Behandlungsziel. Daher haben wir am Klinikum Oldenburg ein sogenanntes „Brustzentrum“ aufgebaut.
 
Hier arbeiten Frauenärzte, Radiotherapeuten, Pathologen, Radiologen, Onkologen, und ggf. weitere Fachleute eng zusammen und treffen sich wöchentlich zur Tumorkonferenz. Die Abteilung für Onkologie und Hämatologie übernimmt den wesentlichen Part der medikamentösen Behandlung, wobei eine breite Palette von Zytostatika, antihormonellen Therapien und Immuntherapien eingesetzt wird. Wir führen die Behandlungen überwiegend ambulant in der Onkologischen Tagesklinik durch, selten auch stationär.
 
Um die Erkrankung in einem frühen, heilbaren Stadium zu erkennen, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen von herausragender Bedeutung, also die Tastuntersuchung durch die Frau sowie den Frauenarzt, ergänzt durch Röntgendarstellung (Mammografie) und Ultraschall der Brust.
 
Bei der Ersterkrankung ist das Ziel der Behandlung die Heilung, sofern die Untersuchungen Tumorabsiedlungen in anderen Organen ausschließen (Röntgen der Brustorgane, Ultraschall des Bauches, Szintigramm der Knochen). Durch die Operation werden der Brusttumor und die befallenen Achsellymphknoten entfernt. Oft ist eine brusterhaltene Operation oder auch eine begrenzte Lymphknotenoperation möglich, wodurch kosmetische Probleme vermindert werden.
 
Sehr häufig ist eine Behandlung mit Zytostatika sinnvoll (Medikamente, die Zellteilung oder Zellwachstum hemmen). Von einer neoadjuvanten Therapie sprechen wir, wenn die Chemotherapie bei großen Tumoren vor der Operation durchgeführt wird, mit dem Ziel, die Operation zu ermöglichen; auch kann man hierbei das Ansprechen des Tumors direkt beurteilen.
 
Meist erfolgt die Chemotherapie als adjuvante Therapie nach der Operation.Diese ist damit begründet, dass sich bereits frühzeitig Tumorzellen in den Körper abgesiedelt haben können. Die medikamentöse Therapie kann diese Tumorzellen treffen und die Rückfallquote der Erkrankung deutlich senken.
Die wichtigsten Zytostatika sind beim Mammakarzinom die Taxane, die Anthrazykline, 5-Fluorouracil und Cyclophosphamid. Sie werden im allgemeinen als Infusion in die Vene gegeben. Zwecks besserer Wirkung werden oft mehrere Substanzen miteinander kombiniert.
 
Eine Strahlentherapie wird ergänzt bei brusterhaltender Operation oder bei lokal fortgeschrittener Erkrankung. Dies erfolgt durch die Fachärzte für Strahlentherapie des Pius-Hospitals Oldenburg (Ltd. Arzt Herr Dr. Willborn) oder eine andere heimatnahe Strahlenklinik. Auch bei einer Absiedlung in andere Organe, speziell Knochen oder Gehirn, kann eine Bestrahlung hilfreich sein.
 
Bei hormonempfindlichen Tumorzellen („positive Hormonrezeptoren“) ist eine antihormonelle (Tabletten-)Therapie hilfreich, bei adjuvanter Behandlung dauert sie mehrere Jahre.
 
Selbst wenn die Erkrankung bereits in weitere Organe metastasiert hat und nicht mehr heilbar ist, können viele Patientinnen wegen der vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten oft jahrelang unter Erhaltung der Lebensqualität bzw. Kontrolle der Erkrankung behandelt werden. Man spricht dann von palliativer Therapie. Wichtig sind hier auch lindernde und stabilisierende Medikamente.
 
Neben der Zytostatikatherapie und Hormontherapie ist seit einiger Zeit als drittes Standbein der internistischen Onkologie die Immuntherapie hinzugetreten in Form des Antikörpers Trastuzumab (Handelsname: Herceptin®). Voraussetzung ist ein Merkmal der Tumorzellen, das man nur bei jeder vierten Patientin nachweisen kann. Dieses Medikament wird bisher in Kombination mit Chemotherapie bei der metastasierten Erkrankung eingesetzt (palliativ), in Zukunft auch in der adjuvanten Behandlung. In Kürze sind noch weitere Immuntherapien zu erwarten.
 
Nierenkarzinom
 
Das Nierenkarzinom (genauer ist hier vom Nierenzellkarzinom die Rede, im Unterschied zum Urothelkarzinom und anderen, seltenen Tumoren der Niere) sollte möglichst früh entdeckt und operativ entfernt werden, da nur auf diesem Weg eine definitive Heilung erreicht werden kann.
 
Liegt bei lokal begrenztem Tumor nur eine Fernmetastase vor, wird auch diese wenn möglich entfernt. Sind mehrere Metastasen festzustellen, wovon meist Lunge, Knochen, Leber und Gehirn (absteigend in dieser Häufigkeit) betroffen sind, ist das Ansprechen auf eine Chemotherapie oder Bestrahlung leider nicht gut.
 
Letztere kommt vor allem zur Linderung von Beschwerden durch Knochen- oder Gehirnmetastasen zum Einsatz. Während Versuche mit hormonellen Therapien und „Impfbehandlungen“ (sog. Vakzinationen) bisher enttäuschten, werden derzeit verschiedene Versuche (viele davon noch in sehr frühen Stadien) mit Antikörpern, Gefäßwachstumshemmern und anderen Medikamenten sowie Knochenmarktransplantation durchgeführt, deren Wert noch nicht beurteilbar ist.
 
Sofern die Nebenwirkungen zumutbar erscheinen, wird heute am ehesten eine Therapie mit so genannten Lymphokinen (Botenstoffen des Immunsystems, hier Interferon-alpha und Interleukin 2), allein oder in Kombination mit einem Zytostatikum, angeboten. In manchen Fällen wird vor einer solchen Therapie auch eine Operation des Tumors, zwecks Verkleinerung seiner Masse, zu überlegen sein. Bei einem Teil der Patienten kann so im metastasierten Stadium eine längerfristige Tumorrückbildung oder -stabilisierung erreicht werden.
 
Urothelkarzinome
 
Urothelkarzinome werden nach dem die Harnwege auskleidenden Gewebe benannt und können, der anatomischen Ausbreitung entsprechend, vom Nierenbecken über die Harnleiter bis zur Blase auftreten. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen, das Durchschnittsalter bei Erkrankung beträgt 65 Jahre. Karzinome der Harnblase sind fast immer Urothelkarzinome, nur in 5% der Fälle finden sich andere Gewebsbefunde.
 
Die Therapie der Urothelkarzinome ist abhängig von Tumorlokalisation und -stadium. Bei Befall des Nierenbeckens oder Harnleiters wird in frühen Stadien in der Regel die betroffene Niere zusammen mit ihrem Harnleiter und einem Teil der Blase entfernt. Bei kleinen Harnleitertumoren kann unter Umständen eine organerhaltende Operation mit Entfernung des betroffenen Abschnitts oder eine endoskopische Abtragung ausreichen (selten). Eine anschließende Chemotherapie hat keinen weiteren Nutzen.
 
Bei alleinigem Befall der Harnblase spielen das Erkrankungsstadium (abhängig von Infiltrationstiefe und Lymphknotenbefall), der Typ und Entartungsgrad der Tumorzellen sowie Alter und Zustand der Patienten eine wichtige Rolle bei der Entscheidung über die richtige Therapie.
 
In Frage kommen verschiedene Verfahren wie endoskopische Abtragung des Tumors mit anschließender Gabe von Chemo- oder Immuntherapie in die Blase oder anschließender Bestrahlung mit oder ohne Chemotherapie, primäre chirurgische Entfernung der Blase und evtl. anderer befallener Strukturen und Lymphknoten und schließlich eine präoperative Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors und Herstellung einer besseren Operabilität. Die Festlegung des richtigen Vorgehens im Einzelfall, ggf. unter Einbeziehung auch experimenteller Ansätze wie der photodynamischen Lasertherapie, erfordert Erfahrung und erfolgt in interdisziplinärer Zusammenarbeit.
 
Bei fortgeschrittenen oder metastasierten Leiden, bei denen eine Heilung nicht mehr erreicht werden kann, bieten sich moderne Chemotherapieverfahren mit vertretbaren Nebenwirkungen zur Symptomverbesserung als primäre Maßnahme an. Bei operativ angehbaren Beschwerden kann im Einzelfall ein chirurgisches Eingreifen sinnvoll sein.
 
Prostatakarzinom (bösartige Neubildung der Prostata)
 
Der Krebs der Vorsteherdrüse tritt mit höheren Alter häufiger auf. Als Risikofaktoren gelten die familiäre Häufung und fettreiche Ernährung. Wichtige Symptome sind Blasenentleerungsstörungen oder durch Absiedlungen bedingte Knochenschmerzen.
 
Die Vorsorgeuntersuchung wird ab dem 50zigsten Lebensjahr empfohlen. Sie beinhaltet die Bestimmung des PSA-Wertes, die rektale manuelle Untersuchung, die Endosonografie vom After aus, sowie evtl. die Feinnadelbiopsie.
 
Je nach PSA-Wert, Familiengeschichte, Beschwerden und Alter erfolgen kurzfristige Kontrollen oder zusätzliche Untersuchungen, wie z.B. feingewebliche Probe der Prostata, die Sonografie des Abdomens, Knochenszintigrafie.
 
Bei Tumornachweis in der feingeweblichen Probe wird das weitere Vorgehen gemeinsam durch den Urologen, Onkologen und Strahlentherapeuten festgelegt und ist von der Ausbreitung des Tumors abhängig.
 
Bei einer lokal begrenzten Erkrankung stehen die Operation (evtl. auch der Lymphknoten) und/oder die Strahlentherapie im Vordergrund. Bei fortgeschrittenerer Krankheit, insbesondere Fernmetastasen (Absiedlung in andere Organe), ist die Hormontherapie wichtiger und es kann oft auf eingreifende Operationen verzichtet werden.
 
Bei Unwirksamkeit der Hormontherapie kann eine Chemotherapie diskutiert werden, die jedoch nur selten eine Tumorverkleinerung bewirkt. Bei lokalisierten Knochenschmerzen durch Tumorabsiedlungen kann eine Bestrahlung sinnvoll sein.
 
Oftmals, vor allem bei älteren Patienten, verläuft die Erkrankung langsam, so dass eine milde Therapie (z.B. Hormontabletten) ausreichen kann.
 
Nach der Erstbehandlung sind regelmäßige Untersuchungen im Rahmen der Nachsorge sinnvoll, um frühzeitiges Wiederauftreten der Erkrankung zu erkennen und zu behandeln.
 
Hodenkarzinom ( Bösartige Neubildung des Hodens)
 
Ein Hodenkarzinom kann in jedem Alter auftreten. Es kann sehr häufig geheilt werden, dazu arbeiten Urologen, Onkologen und Strahlentherapeuten eng zusammen. Die Erkrankung kann auch Lymphknoten und andere Körperteile befallen. Die nötigen Untersuchungen und Behandlungen werden auf die individuelle Ausbreitung der Krankheit abgestimmt. Anhand der feingeweblichen Untersuchung kann man das Karzinom in zwei Hauptgruppen einteilen : Seminom und Nicht-Seminom.
 
Risikofaktoren sind: anormale Entwicklung des Hodens (z.B. Leistenhoden), Verwandte ersten Grades mit Hodenkarzinom haben, sowie ein Karzinom im anderen Hoden. Als verdächtig gilt jede Hodenschwellung, besonders wenn sie schmerzlos ist.
Folgende Untersuchungen sind sinnvoll: Tastbefund/Sonografie der Hoden, Bestimmung der Tumormarker (AFP, ß-HCG, PLAP, LDH), Sonografie des Abdomens, Röntgen-Thorax, Computertomogramm (CT) des Abdomen und Thorax, selten auch CT des Schädels, Szintigrafie, PET, molekularbiologische Untersuchungen.
 
Am Anfang der Behandlung steht die Operation des Hodens und eine Probenentnahme aus dem anderen Hoden. Je nach Ausbreitung der Krankheit folgen eventuell eine Operation der Lymphknoten, meist aber eine Chemotherapie oder Strahlentherapie. Bei Kinderwunsch empfehlen wir vor Durchführung einer Chemotherapie eine Samenspende, die wir für die Betroffenen organisieren.
 
Die Chemotherapie erfolgt stationär über jeweils 1 Woche, durchgeführt werden meist 3 bis 4 Kurse alle 3 Wochen. In einigen Fällen muss bei größeren Tumorresten nochmals operiert oder chemotherapiert werden. Bei besonders fortgeschrittenem Tumorleiden oder Rezidiv wird eine Hochdosistherapie mit Stammzellrückgabe durchgeführt.
 
Nach der Therapie sind trotz der hohen Heilungschance über Jahre Nachuntersuchungen (Nachsorge) nötig, um ein Wiederauftreten der Krankheit frühzeitig behandeln zu können.
Zusammenfassend handelt es sich um eine Krebserkrankung, die heilbar ist.
 
Sarkome
 
Die bösartigen Geschwülste, die sich aus dem embryonalen Bindegewebe herleiten (aus dem u. a. die Knochen, Muskeln, das Bindegewebe, Blutzellen und -gefäße des Menschen entstehen), werden als Sarkome bezeichnet.
 
Unterschieden werden dabei verschiedene Formen des Osteosarkoms, der Ewing-Tumore, der Weichteilsarkome und des Kaposi-Sarkoms. Letzteres kommt in Mitteleuropa praktisch nur im Zusammenhang mit HIV-Infektionen vor, die übrigen Sarkome betreffen unabhängig davon vorwiegend jüngere Menschen (häufig Kindesalter), aber auch Erwachsene.
 
Die komplexe Behandlung dieser Tumoren erfolgt interdisziplinär in Zusammenarbeit von Chirurgen, Strahlentherapeuten und Onkologen. In vielen Fällen sehen die Behandlungskonzepte eine Chemotherapie mit mehreren Substanzen, gefolgt von einer möglichst vollständigen operativen Tumorentfernung und anschließende erneute Chemotherapie, je nach Tumorart und Lokalisation auch eine prä- und postoperative Bestrahlung vor.
 
Wenn immer möglich und sinnvoll, bieten wir unseren Sarkompatienten die Teilnahme an klinischen Studien an, um ihnen in enger Kooperation mit den jeweiligen Studienzentralen, so z.B. im Rahmen der COSS-96 (Cooperative Osteosarkomstudie), EURO-EWING-99 - und CWS-Studie (Weichteilsarkome), die bestmögliche Behandlung nach heutigem Kenntnisstand zukommen zu lassen.