Chemotherapie

Was muss ich wissen, wenn ich zur Chemotherapie komme?

Da Chemotherapien Blutbildveränderungen hervorrufen können, sollte vor jeder Chemotherapie ein aktuelles Blutbild bestimmt werden.

Jeder Patient, der einen Termin zur Chemotherapie in unserer Tagesklinik hat, sollte von seinem Hausarzt ein aktuelles Blutbild mitbringen, das nicht älter als 2 Tage alt sein sollte. Die Patienten, die kein aktuelles Blutbild mitbringen, sind im Zentrallabor des Klinikums zur Blutbildbestimmung angemeldet.

Dies bedeutet für Sie, dass Sie zuvor in das Zentrallabor im 2. Stock gehen und anschließend zu uns in die Tagesklinik kommen.

Dort wird ihnen aus dem Finger eine kleine Menge Blut entnommen.

Mit dem ausgedruckten Blutbildergebnis kommen Sie dann zu uns in die Anmeldung der Tagesklinik.

Soweit Ihre Blutwerte in Ordnung sind, werden Sie anschließend dem Tagesklinikarzt vorgestellt, der über Ihre Therapiefähigkeit entscheidet.

Danach wird Ihnen im Therapiebereich ein Platz zugewiesen, wo Sie die Chemotherapie erhalten.

Eine Zeitschriftenauswahl in unserem Wartebereich verkürzt Ihnen ein wenig die Wartezeit. Sie können sich jedoch auch von zu Hause etwas zum Lesen mitbringen.

Grundsätzlich dürfen Sie vor jeder Chemotherapie etwas essen. Bei uns stehen Getränke, wie Apfelsaft und Wasser, für Sie bereit. Wenn Sie möchten, können Sie sich auch gerne etwas zu essen mitbringen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Sie gehen zum Hausarzt, weil Sie immer wieder Erkältungen haben oder weil Sie eine Raumforderung gespürt haben. Der Hausarzt untersucht Ihr Blut, da Krebserkrankungen in Blutkrebs und Krebs von Organen unterteilt. Findet er eine Auffälligkeit, werden Sie in eine hämatologische Spezialabteilung (Hämatologie)eingewiesen. Dort wird das Blut, sowie das Knochenmark (Punktion in örtlicher Betäubung) untersucht, um die Diagnose zu stellen.

Ist das Blut in Ordnung, hat aber der Hausarzt zum Beispiel eine Knoten in der Brust getastet, werden zu Sie einem Spezialisten z.B. den Gynäkologen überwiesen. Stellt er die Verdachtsdiagnose Krebs, werden Sie ins Krankenhaus in die Gynäkologie eingewiesen, wo z.B. eine OP zur Entfernung des Knoten durchgeführt wird. Die feingewebliche Untersuchung des Gewebes (Histologie) ergibt die Art der Erkrankung (gutartige oder bösartige Wucherung). In der Regel benötigt man eine Woche um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Egal in welche Abteilung Sie den Patienten überweisen, als erstes wird ein Staging (Sonografie, Labor, CT usw.) durchgeführt werden, sowie eine Operation zur Entfernung des Tumors. Im Rahmen der Diagnosefindung wird eine Gewebeprobe des operierten Tumors, ein entfernter Lymphknoten oder eine Biopsieprobe des selben histologisch untersucht. Bei den hämatologischen Erkrankungen wird zur Diagnosesicherung eine Beckenkammpunktion in örtlicher Betäubung durchgeführt. Das Material wird zytologisch, immunphänotypisch, molekulargenetisch, zytogenetisch und histologisch untersucht.

Sollte Ihr Patient eine Chemotherapie erhalten, wird der Patient in unsere Abteilung verlegt. Sie besteht aus zwei Stationen, einer Tagesklinik, sowie einer Ambulanz. Zuerst werden parallel zum Staging weitere Untersuchungen zur Überprüfung der Therapiefähigkeit durchgeführt (z.B. EKG, UKG, Kreatininclearance, DLCO, HNO-Konsil, ...)

Wie wird die Therapie entschieden?

Jeder Patient mit einer onkologischen Erkrankung (Krebs eines Organs) wird interdisziplinär besprochen. Was bedeutet das an einem Tisch Chirurgen, Gynäkologen, Urologen, Radiologen, Onkologen und Gastroenterologen sitzen, sowie, evtl. per Telefon, Strahlentherapeuten hinzugezogen werden.

Sie besprechen die einzelnen Patienten, egal auf welcher Station sie zur Zeit liegen, um die weitere Behandlung zu besprechen. Es gibt Erkrankungen, die müssen nur operiert werden und sind damit geheilt (kurative Therapie). Es gibt Erkrankungen, die müssen erst mit Chemotherapie vorbehandelt werden, damit sie so klein werden, dass sie operiert werden können (neoadjuvant). Es gibt Erkrankungen, die operativ entfernt wurden, aber so groß waren, dass zur Sicherheit noch z.B. eine Chemotherapie notwendig ist, um die Gefahr eines Rezidives zu vermeiden. Und es gibt Erkrankungen, die nicht heilbar sind (palliative Therapie), wo jedoch das Ziel ist, Komplikationen zu verhindern (z.B. den Darmverschluss beim Darmkrebs) oder den Tumor im Wachstum zu hindern.

Je nach Erkrankung wird entschieden, ob eine OP, Strahlentherapie, Immun- oder Chemotherapie oder eine Kombination sinnvoll ist. Die Therapie wird genau mit Ihnen besprochen.

Sollten Sie eine hämatologische Erkrankung haben, ist in der Regel die Chemotherapie Mittel der Wahl, z.T. in Kombination mit einer Strahlentherapie.

Viele Therapien werden in Studien durchgeführt. Das bedeutet, dass nicht irgendeine Therapie durchgeführt wird, sondern eine Therapie, die auf den Erfahrungswerten der Vergangenheit beruht plus eine Neuerung, die eine Optimierung der Therapie verspricht. Die angebotene Therapie ist mindestens genauso wirksam wie die Standardtherapie nach den Richtlinien der Medizin.

Es gibt nicht nur eine Chemotherapie, sondern ganz, ganz viele. Jeder Wirkstoff hat einen speziellen Wirkmechanismus und jeder Tumor ist an einer bestimmten Stelle der Tumorzellentwicklung besonders sensibel. Da sollen die Chemotherapien ansetzen und den Tumor zerstören.

Manchmal benötigt man dazu nur eine Spritze, manchmal eine Kombination aus mehreren Substanzen über mehrere Tage. Die Therapien werden in einem bestimmten Zyklus wiederholt, z.B. alle drei Wochen. Das nennt man Zyklus.

Alle zwei bis drei Zyklen wird eine Routineuntersuchung durchgeführt, um den Therapieerfolg zu überprüfen. Wird die Therapie schlecht vertragen oder bringt nicht den gewünschten Erfolg, so wird die Therapie umgestellt. Jede Änderung wird mit Ihnen besprochen.

Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie bitte, denn auch Sie müssen die Therapie verstehen, damit Sie Probleme zu Hause, wie z.B. Fieber früh erkennen und sich telefonisch bei Ihrem Hausarzt oder uns melden (24 Stunden Service). Wir sind ein Behandlungsteam, wo Sie Ihren festen Platz haben und wir auf Ihre Mithilfe angewiesen sind, um ein optimales Therapieergebnis zu erzielen.

Gut verträgliche Therapien werden ambulant gegeben, d.h. Sie kommen in die Tagesklinik. Dort wird eine Blutbildkontrolle durchgeführt und anschließend erhalten Sie eine Chemotherapie z.B. einen Stundentropf. Anschließend gehen Sie nach Hause (bitte lassen Sie sich fahren).

Sollten Sie zu Hause Übelkeit verspüren, nehmen Sie bitte Ihre Bedarfsmedikation ein. Die heutigen Antiemetika (Medikamente gegen die Übelkeit) sind so gut, dass Sie keine Übelkeit mehr haben müssen. Bitte geben Sie uns hierüber immer Rückmeldung!

Schlecht verträgliche Therapien, also Therapien die eine Begleitmedikation in Tropfform benötigen oder wo Medikamente gegen die Übelkeit intravenös gegeben werden müssen, werden stationär gegeben. Ist anschließend eine Gefahr durch eine Abwehrschwäche zu befürchten, wird der Patient stationär überwacht, um rechtzeitig eine z.B. Antibiotikatherapie zu erhalten.

Prinzipiell bedeutet Chemotherapie nicht Übelkeit, Erbrechen und Bettlägerigkeit. Viele Patienten haben während der Therapie Besuch und sitzen im Aufenthaltsraum. Länger überwachte Patienten betreiben z.B. Ergometertraining solange es keine Kontraindikation durch den Arzt gibt.

In die Chemotherapie und die Nebenwirkungen werden Sie in mehreren Gesprächen eingeführt. Auf Wunsch, erklären wir es auch gerne Ihren Angehörigen, da es z. T. sehr schwierig ist, dass vom Arzt Erklärte, den Angehörigen wiederzugeben.

Ganz wichtig ist, dass Sie mit sich und Ihrem Körper Geduld haben, falls Sie sich einmal schlecht fühlen nach einer Therapie. Häufig ist eine Schwäche in den ersten drei Tagen nach der Therapie vorhanden. Gönnen Sie sich etwas Ruhe und lassen Sie sich von Ihren Angehörigen verwöhnen. Dass tut beiden Seiten gut!

Viele Patienten haben Angst vor Schmerzen, die Ihre Lebensqualität sehr einschränkt. Inzwischen gibt sehr gute Medikamente, die nicht nur müde machen, sondern den Schmerz nehmen und trotzdem Ihre Lebensqualität nicht einschränken. Haben Sie keine Angst vor Morphin. Sie sind dann kein Junkie. Sie nehmen das Medikament unter kontrollierten Bedingungen ein und es ist ein segensreiches Medikament in der Schmerztherapie.

Was muss ich wissen, wenn ich zur Bluttransfusion komme?

Vor jeder Bluttransfusion muss ein Röhrchen Blut, dass sogenannte Kreuzblut, von ihnen abgenommen werden, damit das DRK die richtige Blutkonserve für sie heraussuchen kann.

Dieses Heraussuchen dauert ca. sechs bis acht Stunden. Das bedeutet für sie, dass Sie zwei Mal für eine Bluttransfusion zu uns kommen müssen. Einmal zur Blutentnahme und am nächsten Tag zur Bluttransfusion.

Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass ihnen das Kreuzblut ihr Hausarzt abnimmt und ein Angehöriger von ihnen bringt dieses Blutröhrchen dann bei uns vorbei. In diesem Fall brauchen Sie dann nur einmal kommen.
Die Bluttransfusion dauert ungefähr anderthalb Stunden.

Was muss ich wissen, wenn ich zu Thrombozyten-Substitution komme?

Die Thrombozyten-Konzentrate bekommen wir genau wie die Blutkonserven von dem DRK, welches sich direkt neben dem Gelände des Klinikums befindet.

Das DRK hat meistens genügend Thrombozyten-Konzentrate vorrätig, so dass wir diese für Sie bei Bedarf nur telefonisch bestellen müssen.

Da das DRK dafür kein Kreuzblut benötigt, dauert die Übertragung, inklusive Belieferung, meistens nicht länger als eine Stunde.

Bei bestimmten Erkrankungen werden spezielle Präparate benötigt, deren Bestellung etwas länger dauert. Darüber informieren wir Sie dann aber rechtzeitig.

Ist eine Therapie beendet, da z.B. kein Tumornachweis mehr vorhanden ist oder aber Sie eine Therapiepause wünschen, werden ambulant weitere Kontrollen erfolgen, um ein mögliches Rezidiv oder ein Fortschreiten der Erkrankung möglichst früh zu erkennen, da es hier weitere Therapiemöglichkeiten gibt.