Klinikum Oldenburg

Neue Perspektive für herzkranke Menschen: Herzteam des Klinikums Oldenburg setzt erstmals Evoque-Klappe ein

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Das minimalinvasive Verfahren bietet älteren Patientinnen und Patienten mit schwerer Trikuspidalklappen-Insuffizienz eine neue schonende Behandlungsoption.

Für Menschen mit einer schweren Undichtigkeit der Trikuspidalklappe – die Herzklappe regelt den Blutfluss in der rechten Herzhälfte – gibt es am Klinikum Oldenburg jetzt eine neue Behandlungsmöglichkeit: Ein Team unter Leitung der Universitätsklinik für Innere Medizin – Kardiologie von Prof. Dr. Albrecht Elsässer hat erstmals erfolgreich eine sogenannte Evoque-Klappe eingesetzt.

Für Betroffene – in der Regel sind sie älter als 70 Jahre – bedeutet diese Behandlung vor allem eines: deutlich mehr Lebensqualität. Menschen mit einer schweren Trikuspidalklappen-Insuffizienz leiden häufig unter starker Luftnot, massiven Wassereinlagerungen und einer extrem eingeschränkten Belastbarkeit. Selbst kurze Wege oder alltägliche Aufgaben werden zur Herausforderung. Nach dem Eingriff verbessert sich ihre Lebensqualität häufig ganz erheblich. Sie können wieder besser atmen, sich wieder bewegen und wieder aktiver am Leben teilnehmen.

„Ich bin extrem stolz auf das gesamte Team“, sagte Prof. Dr. Albrecht Elsässer. „Wir haben uns sehr intensiv mit diesem Verfahren beschäftigt und bieten nun eine weitere topmedizinische Behandlung am Herzen an, von denen die Betroffenen in der Region profitieren, die sonst nicht behandlungsfähig wären.“ 

Bislang gab es für die spezielle Patientengruppe keine geeignete Behandlungsmöglichkeiten im Nordwesten. Denn die Betroffenen bringen altersbedingt ein hohes Narkose- und Operationsrisiko mit. Sie kommen nicht mehr für eine Herzoperation unter Vollnarkose und mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine infrage. Die neue Therapie ermöglicht den Betroffenen nun einen schonenden und minimalinvasiven Eingriff am schlagenden Herzen. Meistens können sie schon zwei Tage nach dem Eingriff wieder nach Hause. 

Die Evoque-Klappe besteht aus biologischem Gewebe vom Rind und sitzt auf einem flexiblen Gerüst aus Nitinol – einer speziellen Metalllegierung mit Formgedächtnis. Dadurch lässt sich die Klappe zunächst stark zusammenfalten. Die Interventionalisten des Teams können sie im Hybrid-OP über einen schmalen Katheter durch die Leiste bis zum Herzen vorschieben. Erst am Zielort entfaltet sie sich wieder in ihre ursprüngliche Form. Anschließend verankern die Interventionalisten die Klappe millimetergenau am Herzen – ein besonders anspruchsvoller Schritt. Der gesamte Eingriff dauert ein bis zwei Stunden. 

Mit dem neuen Verfahren gehört das Klinikum Oldenburg zu den wenigen Zentren in Norddeutschland, die diese Therapie anbieten. Deutschlandweit sind es insgesamt nur 13. „Dass wir dieses hochspezialisierte Verfahren jetzt auch in Oldenburg anbieten können, unterstreicht die medizinische Exzellenz unseres Hauses“, sagt Prof. Dr. Andrea Morgner-Miehlke, Vorständin des Klinikums Oldenburg. „Gerade für Patientinnen und Patienten im Nordwesten ist es ein großer Vorteil, solche innovativen Therapien wohnortnah zu erhalten und dafür nicht weite Wege in andere Herzzentren auf sich nehmen zu müssen.“

Bekannt sind entsprechende Anwendungen bislang unter anderem in den Universitätsklinika Hannover und Hamburg. Das Herzteam aus Oldenburg rechnet damit, dass zunächst etwa zehn bis 20 Patientinnen und Patienten pro Jahr für die Behandlung am Klinikum infrage kommen.

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Die gefaltete Trikuspidalklappe schieben die Interventionalisten über einen schmalen Katheter durch  die Leiste bis zum Herzen. © KOL / Keno Filzmoser
Die gefaltete Trikuspidalklappe schieben die Interventionalisten über einen schmalen Katheter durch die Leiste bis zum Herzen. © KOL / Keno Filzmoser
Prof. Dr. Albrecht Elsässer (rechts), Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin – Kardiologie  am Klinikum Oldenburg, und das Team im Hybrid-OP nach dem erfolgreichen Einsatz der Evoque Klappe. © KOL / Keno Filzmoser
Prof. Dr. Albrecht Elsässer (rechts), Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin – Kardiologie am Klinikum Oldenburg, und das Team im Hybrid-OP nach dem erfolgreichen Einsatz der Evoque Klappe. © KOL / Keno Filzmoser